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Musik
„Bereit für ein großes Publikum“

Die Band von links: Schlagzeuger Sebastian Berg, Gitarrist und Neuzugang Bernd Basmer, Sänger Frank Beck, Gitarrist Patrick Fey und Bassist Martin Reichhart.
Die Band von links: Schlagzeuger Sebastian Berg, Gitarrist und Neuzugang Bernd Basmer, Sänger Frank Beck, Gitarrist Patrick Fey und Bassist Martin Reichhart. FOTO: Red Raven
Bexbach. Die saarländische Band Red Raven legt ihr zweites Album vor –  „Chapter Two: Digithell“. Am Samstag stellt sie es in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen vor.

Die Ruhe vor dem Sturm dauert genau 46 Sekunden. Eine akustische Gitarre flirrt lieblich vor sich hin, Sänger Frank Beck singt ohrenschmeichelnd von einer „perfect world“, haucht das finale Wort „collapse“ – und dann brechen die Gitarren los, Stakkato-Gesang erzählt von einer Welt, die in sich zusammenbricht wie ein Kartenhaus. So beginnt „Chapter Two: Digithell“, das zweite Album von Red Raven. Dass Bands eigentlich immer sagen, dass die neue CD gelungener ist als die davor, das weiß auch Gitarrist Patrick Fey. Aber er sagt es dennoch, denn es stimmt ja auch. „Wir sind deutlich zufriedener, das Album ist vielseitiger, für uns ist das schon ein Sprung.“



Zwölf Stücke bietet es, inklusive des kurzen akustischen Intros, die durchweg die Spannung halten, ohne Füllmaterial oder Durchhänger. Heavy Metal, mal treibend und donnergrollend, mal melodisch und beinahe episch, mit einigen balladesken Momenten als Ruhepunkte – und beim Titelstück erklingen synthetische Streicher, aber nicht aus der seifigen „Classic Rock“-Sparte, sondern dramatisch und an Filmmusik erinnernd. Eingängig ist das alles, ohne sich anzubiedern, die Melodien bleiben sofort im Kopf, einige Refrains laden geradezu zum kollektiven Fäusterecken im Konzert ein.

Seit 2011 besteht die Band, Ende 2014 erschien das Debüt „Chapter One: The Principles“, mit dessen Resonanz die Band „sehr zufrieden“ ist, sagt Fey. Viele gute bis sehr gute Rezensionen gab es, die erste Auflage von 500 CDs ist verkauft, und die Band wird gebucht; wenn auch nicht für ganze Tourneen, „aber doch immer wieder für Konzerte, bei denen wir als Vorgruppe spielen können, ohne selbst draufzulegen“. Denn Vorgruppen, die für das Privileg des Anheizers vor großem Publikum Geld zahlen müssen, sind nicht selten.

Diese Selbstausbeutung will und kann sich die Band nicht leisten, umso zufriedener ist sie jetzt. Red Raven spielten zuletzt mit Bands wie Iron Saviour und Sacarium – da kann man Erfahrung sammeln und sich vielleicht ein neues Publikum erschließen. „Es ist sehr erfreulich gelaufen, vor allem das letzte Jahr.“ Für 2018 sind nun Auftritte bei größeren Festivals geplant (aber noch nicht spruchreif), in der Region, in Mannheim, im Schwäbischen.

Album Nummer zwei ging leichter von der Hand als das erste. „Netto weniger als ein Jahr“ hat die Band gebraucht – allerdings verteilt auf anderthalb Jahre, denn die meisten der Musiker haben auch ganz normale Jobs. Reguläre Studiozeit ist teuer – gut also, dass die Band ein eigenes Studio besitzt, das sie außer einer kleinen Miete nichts kostet. „Das ist ein Riesenvorteil“, sagt Fey, der sich auch um die Tonaufnahme und die -mischung kümmerte, „sonst müsste man wegen des Zeitdrucks zuhause sehr viel vorarbeiten. So aber haben wir die Freiheit zu experimentieren, immer noch etwas zu verbessern, an einzelnen Aufnahmen weiter zu feilen.“



Das Feilen im Studio in Bexbach schlägt sich jetzt auch in den sehr guten ersten Kritiken in den deutschen Heavy-Metal-Fachblättern nieder — in den breit angelegten Musikmagazinen findet das ganze Genre so gut wie nicht statt. Schade, aber kein wirklicher Verlust, findet Fey, „die Fans lesen diese Magazine ohnehin nicht, die lesen Rock It! , Metal Hammer oder RockHard, und da finden wir ja auch statt. Um im Rolling Stone aufzutauchen, müssten wir schon Metallica sein.“

Red Raven ist kein Feierabend-Hobby, sondern ein professionelles Projekt, auch wenn die Musiker fast alle  „Brotberufe“ haben, meist im kaufmännischen Bereich. Die Musik findet am Wochenende oder im Urlaub statt. „Da braucht man eine Familie, die einem den Freiraum lässt“, sagt Fey. Zumindest Sänger Frank Beck ist in der Lage, nur Musik machen zu können, er singt auch in der bundesweit bekannten Band Gamma Ray. Problematisch für Red Raven? „Nein, bei Berufsmusikern ist das so“, sagt Fey, „die Szene ist gar nicht so groß. Die Leute haben verschiedene Projekte, das belebt und bringt auch gute Kontakte.“

Einfach ist die Finanzierung eines Band-Projekts nicht – zwar ist Red Raven bei einer Plattenfirma unter Vertrag, das bedeutet aber nicht, dass die Firma erst einmal alles vorfinanziert, wie bei einem sogenannten „Künstlervertrag“. Die Band selbst zahlt für den Vertriebsservice, dafür, dass die Alben in den Läden stehen; auch ein Video wie das aktuelle „Unbreakable“, gedreht in der alten Grube Bexbach, finanziert die Band selbst. Gleichzeitig hat sie die Freiheit, das Album schon vorab selbst zu vertreiben: Fans können die CD schon vor der offiziellen Veröffentlichung am Freitag auf der Facebook-Seite der Band kaufen. Auf dem Beiblatt zum Album schreibt die Band, sie sei jetzt „bereit für ein großes Publikum“ – es ist ihr zu wünschen.

Red Raven: „Chapter Two: Digithell“ (q-phonic). Konzert: Samstag, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen. Als Vorgruppe tritt die saarländische Band Surrender The Crown auf.  www.surrenderthecrown.de, www.red-raven.de

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kul-raven2 FOTO: Red Raven