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Bexbacher Band Red Raven hat ihre Debüt-CD veröffentlicht – Saarbrücker Konzert im Januar

Die Band am Maschinenhaus der alten Grube Frankenholz – beim Videodreh im Juni zum Stück „Too late“. Foto: Red Raven
Die Band am Maschinenhaus der alten Grube Frankenholz – beim Videodreh im Juni zum Stück „Too late“. Foto: Red Raven FOTO: Red Raven
Bexbach. Eine Plattenfirma zu finden ist schwer. Und als Anheizer vor einer größeren Band verdient man kein Geld, sondern zahlt für seinen eigenen Auftritt. Die Bexbacher Band Red Raven kennt das schwierige Musikgeschäft – aber versucht es jetzt trotzdem. Tobias Kessler

"Das ist das Gute an einer Band mit Musikern über 40", sagt Patrick Fey. "Man sieht die Dinge realistisch." Fey ist Gitarrist der Bexbacher Band Red Raven - und von musikalischer Welteroberung und Starruhm träumt in der Band niemand, sagt er. Dafür kenne man das Geschäft zu gut, sei zu lange dabei. "Unser Ziel ist es einfach", versichert Fey glaubhaft, "Freunden von harter Musik etwas Tolles anzubieten". Dieses Angebot heißt "Chapter One: The Principles", ist das Debüt-Album der Band und erfreut sich exzellenter Kritiken, nicht nur im Szene-Zentralorgan "Rock Hard". Kein Wunder, bietet das Album gekonnt ebenso knüppelharte Momente wie Balladeskes - für Genrefreunde eine runde Sache.

Dass es die Band seit 2011 gibt, das Debüt aber erst jetzt erscheint, hat seine Gründe - die Musiker gehen klassischen Brotberufen nach, "alle mehr oder weniger im kaufmännischen Bereich", sagt Fey, "aber im Nebenberuf sind wir Musiker, verdienen auch Geld damit". Sänger Frank Beck etwa steht auch noch bei der saarländischen Cover-Band "Srained" hinterm Mikro, Schlagzeuger Sascha Waack ist sogar Schlagzeuger bei Guildo Horn - und deshalb beim Saarbrücker Konzert der Band im Januar nicht dabei. Denn Horn ist auf Tournee, Waack wird dort gebraucht, der Profi-Job geht vor.

"Chapter One" entstand im bandeigenen Studio im Bexbacher Saarpfalzpark; ein halbes Jahr netto, über längere Zeit verteilt, hat die Band aufgenommen, dann noch einmal drei Monate gemischt. "Alles ist echt", sagt Fey - keine Gesangspassagen sind mehrfach übereinander gelegt, keine Software wurde eingesetzt, die Tonunsauberkeiten ausbügelt. "Im Pop wird das ständig gemacht: Man schaltet so ein Programm an, klickt die Tonart an - und schon klingt alles viel sauberer." Diesen sterilen Klang wollte die Band nicht, "Franks Stimme soll nicht von einem Programm glattgerechnet werden".

Heftig angeschlagen ist die Musikindustrie derzeit - wie schwer ist es da, einen Plattenvertrag zu finden? "Das ist eigentlich ein Grauen", sagt Fey. "Als neue Band braucht man es bei einer großen Firma gar nicht erst zu versuchen." Aber hier halfen klassisch saarländische kurze Wege. Bandbassist Martin Reichhart arbeitet bei einem St. Wendeler Verstärkerhersteller, ein Kollege dort hat ihn dem Ex-Sänger seiner eigenen Band empfohlen, der ein Plattenlabel betreibt. "Ohne Empfehlung", schätzt Fey, "hätte er sich unsere Aufnahmen vielleicht nicht mal angehört."

Doch er tat es, war interessiert und nahm die Band unter Vertrag. Die kommerziellen Chancen hält Fey für überschaubar: "Wenn wir insgesamt 500 Stück, CDs und Internet-Downloads, verkaufen, können wir uns auf die Schulter klopfen". Er habe schon "aus der Hand" mehr Alben verkauft als bei amazon und iTunes, sagt Fey. Dass die Hardrock-Szene eine eingeschworene Gemeinschaft ist, in der weniger illegal heruntergeladen werde als im Pop, glaubt Fey nicht, "das ist eine Romantisierung". Ein Freund des Sängers habe dem erzählt, dass er das Album illegal herunter geladen habe. "So ticken manche Leute. Andererseits: Wir wären auch ein wenig beleidigt gewesen, wenn es uns nicht zum illegalen Herunterladen geben würde. Das hieße, niemanden interessiert's."

Zurzeit plant die Band ein paar Konzerte in der Region; eine Tournee als Vorgruppe für eine größere Band ist eine Option, die bedacht sein will. "In der Regel muss man Geld dafür zahlen, dass man mit auf Tour gehen darf - pay to play sozusagen". Zwar könne man sich einem großen Publikum vorstellen, "aber man muss abwägen, ob es das Geld wert ist - wir sehen das sehr kritisch." Zuerst einmal steht ein Konzert in Saarbrücken an.

Red Raven: Chapter One -

The Principles (q-phonic/Soul Food). Konzert: Samstag, 17. Januar, Kleiner Klub der Garage (Sb). Info: www.red-raven.de