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Neue Prüfanlage
Weltneuheit bei der Dillinger Hütte

Die neue Prüfanlage der Dillinger Hütte sorgt für eine so gute Qualität von Grobblech wie nie zuvor.
Die neue Prüfanlage der Dillinger Hütte sorgt für eine so gute Qualität von Grobblech wie nie zuvor. FOTO: Ruppenthal
Dillingen. Eine neue Prüfanlage erkennt in der Produktion kleinste Veränderungen der Oberfläche von Grobblech. Sie kostete zehn Millionen Euro. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Mit einer in der Stahlbranche bahnbrechenden Neuerung will sich die Dillinger Hütte einen weltweiten Wettbewerbsvorsprung verschaffen. Gestern lief erstmals offiziell in Anwesenheit von Kunden und Technik-Experten aus elf Ländern und von allen Kontinenten in der Produktion der Hütte eine neue Prüfanlage mit dem Namen „Eddy Current“ an. Sie gilt als technisches Wunderwerk, kostete zehn Millionen Euro und wurde innerhalb von vier Jahren von eigenen Experten, zwei Partner-Unternehmen sowie in enger Kooperation mit der Universität des Saarlandes entwickelt.


Die Anlage ist weltweit erstmals dazu in der Lage, während der Produktion selbst Veränderungen  der Härte der Oberfläche von Grobblechen in einer Größenordnung von nur wenigen Zehntel Millimetern sofort zu erkennen. Stahlexperten nennen solche Veränderungen „Hard Spots“. Sie kann gleichzeitig Ober- und Unterseite des Bleches untersuchen, ohne dass das Blech während der Produktion umgedreht werden muss. Stellt die Anlage eine Oberflächenveränderung fest, teilt sie innerhalb von Sekunden dem Stahlarbeiter genaue Koordinaten mit, wo die Beeinträchtigung aufgetreten ist. Der Stahlarbeiter kann dann an der betroffenen Stelle sofort eingreifen, manuell nachschleifen und die Veränderungen rasch entfernen.

Das neue Verfahren ermöglicht eine noch bessere Qualitätskontrolle, was zugleich in der täglichen Massenproduktion von Grobblech viel Zeit spart, sagt Wolfgang Schütz, Marketingleiter der Dillinger Hütte. Zugleich bekomme der Kunde durch die optimierte Qualitätskontrolle einen Mehrwert. Auch Lieferzeiten verkürzten sich. Das im Saarland entwickelte Verfahren kommt Öl- und Gasgesellschaften zugute, die Kunden der Hütte sind. Zugleich stellt das neue Prüfverfahren auch sicher, dass das Material der Leitungen von Gaspipelines im laufenden Betrieb nicht beschädigt werden kann, etwa durch die Durchleitung von Sauergas, das normalerweise eine Pipeline von innen heraus angreifen kann. Die Dillinger Hütte  kann dank des neuen Prüfverfahrens die hundertprozentige Kontrolle des zu liefernden Bleches für Rohre sowohl von außen als auch von innen sicherstellen.



Bernd Münnich, technischer Vorstand der Dillinger Hütte, strahlt angesichts der jüngsten Testergebnisse. „Die neue Prüfanlage ist für uns extrem wichtig. Sie hilft uns dabei, Marktführer für Grobbleche zu bleiben. Dieses Messverfahren gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft“, unterstreicht Münnich. Dillingen wird zugleich nicht der einzige Standort sein, an dem eine solche Anlage läuft. Im Walzwerk der französischen Tochtergesellschaft der Dillinger Hütte in Dünkirchen, soll  bis Mitte 2019 eine zweite Anlage dieser Art in Betrieb gehen, kündigte Münnich an. Bei der Entwicklung der Anlage sei auch der Sachverstand von Wissenschaftlern an der Universität des Saarlandes eine große Hilfe gewesen, die sich seit vielen Jahren besondere Kenntnisse in der Wirbelstromprüfung verschafft haben. Dieses Verfahren ist die Grundlage für die Arbeit der neuen Prüfanlage. Um das Prüfverfahren international bekannter zu machen, wurde extra eine neue Marke entwickelt. Alle mit dem Verfahren geprüften Bleche werden unter der Marke „D-Tect“ weltweit vertrieben. Dieser Name steht für Dillinger – Totally Eddy Current Tested (vollständig Eddy Current getestet).