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| 19:17 Uhr

IKK Südwest will mehr Fairness im System

Saarbrücken. Die Krankenkasse IKK Südwest sieht sich durch das geltende System des Gesundheitsfonds benachteiligt. Höhere Kosten zum Beispiel für Krankenhaus-Behandlungen würden nicht ausgeglichen. Volker Meyer zu Tittingdorf

Saarländische Krankenversicherte müssten weniger Zusatzbeiträge zahlen, wenn es gerechter zuginge im Gesundheitssystem. So sieht es Jörg Loth, Vorstand der Innungskrankenkasse IKK Südwest. Er beklagt eine Benachteiligung der in Saarbrücken ansässigen Kasse, die im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Hessen zusammen mehr als 650 000 Versicherten hat.

Ursache ist aus Sicht des Krankenkassenchefs eine unfaire Verteilung der im Gesundheitsfonds gesammelten Beiträge aller gesetzlich Versicherten in Deutschland - insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro . Maßgeblich dafür sind unter anderem die Alters- und Geschlechterstruktur und vor allem die Krankheitsrisiken. Der Sinn des Verfahrens: Krankenkassen , die viele sehr kranke Versicherte haben, sollen für deren Versorgung auch genug Geld erhalten. Außerdem sollen die Kassen nicht um junge, gesunde, gut verdienende Arbeitnehmer konkurrieren, um dann niedrigere Beiträge erheben zu können. Vielmehr sollen sie ihren Wettbewerb über Leistungen und Service für die Patienten austragen.

Im Grundsatz hält Loth diesen Risikostrukturausgleich, im Fachjargon Morbi-RSA, für sinnvoll, wenn er nur fair ausgestaltet wäre. Sein Hauptkritikpunkt: Das Verteilverfahren lässt regionale Unterschiede bei den Ausgabenstrukturen völlig außer Acht. In Südwestdeutschland seien zum Beispiel die Kosten für Krankenhausbehandlungen besonders hoch. So beträgt der Landesbasisfallwert, der Grundlage für die Abrechnung ist, nach Angaben des Verbands der gesetzlichen Krankenkassen GKV für das Saarland 3348 Euro , für Rheinland-Pfalz 3465 Euro , in den meisten anderen Bundesländern aber nur 3278 Euro . "Wenn Sie für jeden Krankenhausaufenthalt 200 Euro mehr bezahlen, dann ist das eine objektive Belastung - die wir nicht ausgeglichen bekommen", bemängelt Lutz Hager, Mitglied der IKK-Geschäftsführung. Ein weiteres Beispiel: Den Verdienstausfall von nahen Angehörigen, die bei Kranken als Haushaltshilfe einspringen, erstatten Innungskrankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern mit 12,85 Euro pro Stunde, "während in Rheinland-Pfalz mit 29,03 Euro gerechnet wird", sagt Loth. Er fordert vom Gesetzgeber eine Reform des Risikostrukturausgleichs - am besten durch Einführung einer Regionalkomponente bei den Ausgaben. Bei den Einnahmen gibt es die nämlich. Regionale Unterschiede bei Einkommen und damit Beitragsaufkommen werden ausgeglichen.

Insgesamt zahlt die IKK Südwest den Angaben des Kassenchefs zufolge 300 Millionen Euro mehr an Beiträgen in das System ein, als wieder zurückfließen. Mehr als ein Fünftel des jährlichen Gesamthaushalts von rund 1,6 Milliarden Euro . Wie stark sich der Abfluss an Mitteln verringern würde, wenn es eine Regionalkomponente gäbe, lasse sich nur schwer beziffern, sagt Loth. Aber dass es ein hoher Millionenbetrag ist, steht für ihn außer Zweifel. Schließlich sei dieser Systemfehler ein wesentlicher Grund, dass die IKK Südwest über den gesetzlich vorgegebenen Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttomonatsentgelts einen Zusatzbeitrag von 1,2 Prozent erhebt. Kassen in den günstigeren Regionen Ostdeutschlands kommen zum Teil mit 0,3 Prozent aus.

Eine Studie im Auftrag des bayrischen Gesundheitsministeriums hat jüngst die Kritik Loths bestätigt und spricht von "Wettbewerbsverzerrungen, die aus einer fehlenden regionalen Komponente resultieren". Und die sind offenbar erheblich. Der Chef der Techniker Krankenkasse Jens Baas prangert in der Fachzeitschrift "Welt der Krankenversicherung" die Folgen an: Ausgerechnet die so bevorzugten Kassen, "die mit den niedrigsten Beitragssätzen aufwarten, leisten sich die höchsten Verwaltungskosten ". Die AOK Sachsen-Anhalt, die nur 0,3 Prozent Zusatzbeitrag erhebt, habe Verwaltungskosten in Höhe von 225 Euro pro Kopf und Jahr - 55 Prozent mehr als im Durchschnitt der gesetzlichen Kassen. Die IKK Südwest wendet nach eigenen Angaben nur rund 128 Euro auf und liegt damit mehr als 13 Prozent unter dem Schnitt.