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Unternehmensschließung in Nohfelden
Mitarbeiter: Alt-Inhaber Eifler in Pflicht

Im ehemaligen Eifler-Werk in Nohfelden-Eckelhausen, das von der Cablex-Gruppe übernommen wurde, werden Kabelbäume produziert.
Im ehemaligen Eifler-Werk in Nohfelden-Eckelhausen, das von der Cablex-Gruppe übernommen wurde, werden Kabelbäume produziert. FOTO: Ruppenthal
Nohfelden-Eckelhausen. Die Beschäftigten des von der Schließung bedrohten Eifler-Werks glauben nicht mehr, dass der Alt-Inhaber an der Entwicklung ganz schuldlos ist. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Die Mitarbeiter des Eifler-Werks in Eckelhausen sehen angesichts der Schließung und des Verlustes von rund 100 Arbeitsplätzen auch den Alt-Inhaber Dieter Eifler in der Pflicht. Eifler hatte seine Firma, die Dieter Eifler GmbH & Co. KG, im April an die slowenische Firma Cablex verkauft. Diese wiederum hat vor wenigen Wochen angekündigt, das saarländische Werk Ende Oktober zu schließen. Die beiden Eifler-Werke in Rumänien und Ungarn dagegen sollen in die Cablex-Gruppe integriert werden.


Die Schließung des Werkes hat große Wellen geschlagen, weil es bei Eifler keinen Betriebsrat gab, und viele Mitarbeiter nun trotz jahrelanger Betriebszugehörigkeit ohne Abfindungen entlassen worden sind. Sozialpläne müssen Unternehmen bei einer Betriebsschließung nur dann verhandeln, wenn es eine Arbeitnehmervertretung gibt. Diese Gründung eines Betriebsrates habe die Geschäftsführung in den vergangenen Jahren immer wieder verhindert, sagen die Mitarbeiter.

Auch stehen die Beschäftigten des der Aussage des Alteigentümers Dieter Eifler kritisch gegenüber, er habe auf die Schließung und die Entlassungen keinen Einfluss gehabt. Eifler hatte gegenüber der Saarbrücker Zeitung mitgeteilt, er habe sich wegen seines Alters – Eifler feiert im Januar seinen 80. Geburtstag – entschlossen, seine Gesellschafteranteile an dem Unternehmen zu veräußern, sowohl als Gesellschafter als auch als Geschäftsführer aus dem Unternehmen auszuscheiden und seine Tätigkeit zum 29. März 2018 zu beenden.



Ende August hat das Management der Firma Cablex mitgeteilt, dass das Eifler-Werk in Nohfelden auf finanziellen Gründen geschlossen werden müsse. Finanzchef Mitja Florjanic sprach von einer desaströsen Finanzlage. Trotz erheblicher Bemühungen von Seiten der slowenischen Firma – unter anderem habe sie ausstehende Kredite abgelöst und Mitarbeiter freigestellt – sei das Werk nicht mehr zu retten gewesen. Eifler teilte dazu mit, bis zu seinem Ausscheiden habe zu keinem Zeitpunkt Zahlungsunfähigkeit bestanden oder auch nur gedroht.

Die Mitarbeiter jedoch gehen davon aus, dass Eifler noch bis September an den Entwicklungen im Unternehmen beteiligt war und somit auch mit für die Betriebsschließung und die Kündigungen verantwortlich zeichnet. Denn sowohl die Kündigungen als auch Zeugnisse sind nicht von dem neuen Eigner Cablex, sondern von der Dieter Eifler GmbH & Co. KG ausgesprochen worden. Als persönlich haftende Gesellschafterin wird auf dem Briefpapier die Dieter Eifler Geschäftsführungsgesellschaft mbH genannt. Deren Geschäftsführer war zu dem Zeitpunkt der Kündigungen weiterhin der Alt-Gesellschafter Dieter Eifler. Nach Angaben des Amtsgerichts Saarbrücken hat er die Geschäftsführung erst zum 10. September offiziell niedergelegt. Dieter Eifler selbst hat sich auf eine entsprechende Anfrage zu seiner Geschäftsführungs-Verantwortung nicht geäußert.

Am Mittwoch war die Causa Eifler auch Thema im Wirtschaftsausschusses des Landtages. Dort habe ein Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums dargelegt, dass sich Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) mit den slowenischen Eignern getroffen habe, sagt Jochen Flackus (Die Linke). Barke habe dabei den Eindruck gewonnen, dass Cablex tatsächlich wie angegeben ein Unternehmen in finanziell kritischer Situation übernommen habe und dass es für die Finanzierung einer Transfergesellschaft keine finanziellen Mittel gebe. Flackus kritisiert, dass dies allerdings nicht glaubhaft mit Zahlen zu belegen sei, da die entsprechenden Jahresabschlüsse für 2017 für die Firma Eifler noch nicht vorliegen. Auch Marc Speicher (CDU) kritisiert, dass die Einschätzung des Wirtschaftsministeriums nur auf Angaben der neuen Unternehmenseigner beruht. „Für mich sieht es so aus, dass es die Übernehmer nur auf die Kundenbeziehungen und die Anlagen abgesehen hatten. Hier ist ganz offensichtlich ein Geschäft zulasten Dritter gemacht worden – der Mitarbeiter.“