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| 20:14 Uhr

Vampire, Tränen und der lange Atem

Cannes. Die Zeit ist ja meist knapp in Cannes. Die Journalisten und Filmschaffenden hetzen von Termin zu Termin, eilen zu Premieren, Pressekonferenzen und Empfängen. In diesem Jahr ist die Zeit noch knapper, weil ungewöhnlich viele Filmemacher ihre Geschichten mit langem Atem ausbreiten: Über die Hälfte der Wettbewerbsbeiträge sind länger als zwei Stunden Von SZ-Mitarbeiter Sascha Rettig

Cannes. Die Zeit ist ja meist knapp in Cannes. Die Journalisten und Filmschaffenden hetzen von Termin zu Termin, eilen zu Premieren, Pressekonferenzen und Empfängen. In diesem Jahr ist die Zeit noch knapper, weil ungewöhnlich viele Filmemacher ihre Geschichten mit langem Atem ausbreiten: Über die Hälfte der Wettbewerbsbeiträge sind länger als zwei Stunden. Nicht immer tut das den Filmen gut - wie dem mit 140 Minuten viel zu langen "Thirst" von Park Chan-wook ("Old Boy"). Der Koreaner breitet zwar eine unbekümmert absurde Variation des Vampirmythos aus, verzettelt sich aber mit viel zu vielen, wenn auch teils wunderbar seltsamen Ideen. Manchen Filmemachern folgte man gerne über die Überlängendistanz: Jacques Audiard stellte mit dem umjubelten Zweieinhalbstünder "Un Prophète" einen packenden Gefängnisthriller vor. Oder Ang Lee, der in "Taking Woodstock" die Hippie-Ära detailversessen wieder aufleben lässt. Mehr als ein sympathisches Leichtgewicht, das sich so schnell verflüchtigt wie eine Haschischwolke, ist der Film allerdings nicht. Preisverdächtig ist Jane Campions "Bright Star". Die Neuseeländerin (Foto: afp), 1993 für "Das Piano" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, schildert die Liebe zwischen Fanny Brawn (Abby Cornish) und dem Dichter John Keats (Ben Wishaw), die an Krankheit und an der Gesellschaft scheitert. Ein sanft lyrischer, anrührender Bilderfluss.Wie die neben Wishaw in "Bright Star" beeindruckend aufspielende Cornish haben in Cannes bislang vor allem die Frauen die großen Auftritte gehabt: Monica Bellucci und Sophie Marceau strahlten vom roten Teppich, obwohl viele Kritiker ihren Außer-Konkurrenz-Film "Don't look back" lächerlich fanden. Und Mariah Carey heulte neben Lenny Kravitz ergriffen in der Nebenreihen-Vorführung von Lee Daniels mehrfachem Sundancefestival-Preisträger "Precious". Damit sorgte sie zwar für den dieses Jahr erstaunlich gering dosierten Starrummel, lenkte aber auch vom eigentlichen Ereignis des drastischen Teenagerdramas ab: der massigen Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe, die als 16-jähriges, fettleibiges, schwangeres Außenseitermädchen erst unfassbare Misshandlungen ertragen muss, bevor sie sich aus ihrem Alltagsalbtraum erhebt. Ein Hoffnungsschimmer in einem Cannes-Programm, das mit Härten unterschiedlichster Art nicht spart.