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Mit Weizenkeimen gegen Alzheimer

Berlin. Forscher aus Greifswald und Berlin untersuchen die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf Lernfähigkeit und Gedächnis.

(np) Können Lebensmittel vor einer Demenz schützen? Das untersuchen Altersforscher der Uniklinik Greifswald und der Berliner Uniklinik Charité. Sie haben dabei Substanzen in unserer Nahrung im Blick, die Selbstreinigungsprozesse in Gehirnzellen ankurbeln und so vor neurodegenerativen Erkrankungen schützen könnten. Vor allem sogenannte Polyamine sind im Visier der Forscher, berichtet Professor Agnes Flöel von der Uniklinik Greifswald. In der „Smart Age“ genannten Studie der Berliner Charité werde nun die Wirkung eines aus Weizenkeimen gewonnenen Extrakts auf Lernfähigkeit und Gedächtnis untersucht.


An der ein Jahr dauernden Studie nehmen ältere, gesunde Menschen teil, deren Gedächtnis sich aber nach eigener Einschätzung verschlechtert hat. „Man weiß aus anderen Studien, dass Menschen, die sich Sorgen wegen einer Demenz machen, tatsächlich ein erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Krankheit aufweisen“, erklärt Agnes Flöel. Die Neurologin erforscht, wie sich Demenz und kognitive Einschränkungen durch den Lebensstil beeinflussen lassen.

Große Hoffnungen setzen die Neurowissenschaftler auf das Spermidin, berichtet die Uniklinik Greifswald. Die Substanz ist ein Produkt des Zellstoffwechsels. Aus Laborversuchen sei bekannt, dass Spermidin, das über die Nahrung aufgenommen wird, einen Selbstreinigungsprozess in den Nervenzellen ankurbelt. Bei diesem Autophagie genannten Vorgang werden zum Beispiel schädliche Eiweiß-Ablagerungen abgebaut. Sie  spielen bei fast allen neurodegenerativen Erkrankungen eine wichtige Rolle.



„Wir haben in einer kleinen Studie die Wirkung von Spermidin, das aus Weizenkeimen gewonnen worden war, auf Lernen und Gedächtnis untersucht“, erklärt Agnes Flöel. Bereits nach drei Monaten habe sich die Gedächtnisleistung gebessert. Von einer Super-Pille fürs Gehirn will die Wissenschaftlerin aber nichts wissen. „Nahrungsergänzungsmittel können nie eine ausgewogene Ernährung ersetzen.“ Grundsätzlich sei es richtig, auf Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren zu setzen und beim Zucker zu sparen. „Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel man isst“, ergänzt Flöel. „In Studien führte eine Kalorienrestriktion, vor allem der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.“