Pluto am Horizont

Es ist die weiteste Reise zu einer anderen Welt, die jemals eine Raumsonde unternommen hat: Ziel von New Horizons ist der Zwergplanet Pluto mit seinen fünf Monden. Am 14. Juli soll die Sonde das Ziel nach neunjähriger Reise in einem Abstand von 10 000 Kilometern passieren.

Houston. Die US-Raumsonde New Horizons ist die bisher einzige Planetenmission, der nach dem Start das Ziel abhanden gekommen ist. Als das Raumfahrzeug der Raumfahrtagentur Nasa im Januar 2006 abhob, gab es in den Außenbereichen unseres Sonnensystems noch den Planeten Pluto . Im September 2006 entzog die Internationale Astronomische Union jedoch dem bis dahin neunten Planeten diesen Status. Pluto , so das Argument, gehöre zu einer möglicherweise mehrere tausend Mitglieder zählenden Familie kleinerer Himmelskörper, nun Plutinos genannt, in den Tiefen unseres Sonnensystems. Jetzt wird der Ex-Planet wissenschaftlich korrekt nur noch mit der Nummer 134 340 bezeichnet. Dem Interesse der Astronomen an diesen merkwürdigen Welten am Rand des Sonnensystems tat dies freilich keinen Abbruch. In diesem Jahr soll die Sonde New Horizons nun Pluto bei einem Vorbeiflug erstmals genauer unter die Lupe nehmen.

Über das Ziel ihrer jahrelangen Reise ist wenig bekannt. Pluto ist eine kleine Welt, etwa ein Drittel kleiner als der Erdmond. Allerdings hat er fünf Monde, von denen der größte, Charon, fast halb so groß wie Pluto selbst ist. Die bislang besten Teleskopbilder zeigen eine orangeweiße, dunkel gepunkte Oberfläche, ähnlich wie das Fell eines Leoparden.

Einige Forscher gehen davon aus, dass die Strukturen aus flüchtigen Stickstoffverbindungen bestehen, die vorübergehend verdampfen und eine Atmosphäre bilden können. Zurück blieben dann die rotbraunen bis schwarzen Flecken aus nichtflüchtigen, organischen Kohlenwasserstoffen. "Wir wollen die Veränderungen über mehrere Monate hinweg beobachten", so Dr. Alan Stern, Chefwissenschaftler der Raumsonde vom Southwest Research Institute in Colorado. Das geschieht mit sieben Instrumenten an Bord der Sonde, die von ultravioletten bis zum infraroten Spektrum Bilder liefern.

Ab dem Frühjahr wird New Horizons bessere Bilder von Pluto und seinen Nachbarn liefern können als die bisher besten Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops. "Ab der dritten Juni-Woche sollen alle sieben Forschungsinstrumente der Sonde täglich Daten sammeln", erklärte der Missionsmanager Mark Holdridge von der Johns-Hopkins-University in Maryland bei der Jahrestagung der amerikanischen Geophysikalischen Union.

Höhepunkt der Mission wird dann am 14. Juli der Vorbeiflug der Sonde in einer Distanz von etwa 10 000 Kilometern sein. Die Telekamera an Bord von New Horizons wird dabei Details von etwa 200 Metern Größe auf der Pluto-Oberfläche zeigen. Um eine Kollision mit noch nicht bekannten Objekten im Pluto-Orbit zu vermeiden, sollen die Kamera-Augen der Raumsonde schon bald damit beginnen, nach kleineren Monden zu suchen.

Das erste Rendezvous von New Horizons mit Pluto ist auch das letzte, denn die Sonde schwenkt nicht in einen Orbit ein, sondern soll nach dem Vorbeiflug auf ein neues Ziel ausgerichtet werden. Wegen der großen Distanz - Pluto ist beim Vorbeiflug fünf Milliarden Kilometer entfernt - und der geringen Datenübertragungsrate werden die meisten Aufnahmen an Bord gespeichert und erst nach dem Vorbeiflug zur Erde übertragen. Die Sonde übermittelt Daten mit nur 400 Bits pro Sekunde, das ist weniger als ein Zehntausendstel heutiger Internet-Übertragungsraten. Auf ihre Pluto-Fotos müssen die Astronomen damit Wochen warten. Die Übertragung eines Bildes dauert Stunden, erst nach zehn Monaten werden alle Daten zur Erde gefunkt sein.

Wenn die Mission gelingt und der Treibstoff ausreicht, soll New Horizons 2019 noch an einem weiteren Verwandten Plutos im sogenannten Kuiper-Gürtel vorüberfliegen.

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HintergrundPluto galt 76 Jahre als neunter Planet unseres Sonnensystems. Sein Entdecker ist der US-Astronom Clyde Tombaugh, der ihn im Februar 1930 fand. Pluto hat eine sehr exzentrische Bahn. Sein Abstand von der Sonne schwankt zwischen 4,5 und 7,5 Milliarden Kilometern. Aus seiner Helligkeit schlossen die Astronomen zuerst auf ein Objekt von Marsgröße. Tatsächlich hat er nur einen Durchmesser von 2340 Kilometern und ist kleiner als unser Mond. Ende des 20. Jahrhunderts wurden schließlich viele weitere Objekte vergleichbarer Größe und Entfernung entdeckt. Von der Erforschung dieser Zwergplaneten versprechen sich Astronomen Informationen über die Entstehung des Sonnensystems.

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