Pluto soll Geheimnisse preisgeben

Pluto soll Geheimnisse preisgeben

Rund 85 Jahre nach seiner Entdeckung bekommt die Menschheit wohl endlich eine Nahaufnahme von Pluto. Eine Raumsonde soll heute so nah an dem Zwergplaneten vorbeirasen wie noch nie ein Flugkörper – und viele Rätsel lösen.

Noch nie haben Menschen einen detaillierten Blick auf die Oberfläche des Zwergplaneten Pluto werfen können. Dank der Nasa-Sonde "New Horizons" soll sich das nun ändern: Mit 49 600 Kilometern pro Stunde rast das Raumfahrzeug derzeit am Rand des Sonnensystems auf den rätselhaften Himmelskörper zu, der nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt ist. Heute soll sich "New Horizons" Pluto bis auf 12 500 Kilometer nähern - und schon jetzt geben Bilder der Sonde Rätsel auf.

Denn die Kamera von "New Horizons" nahm entlang des Pluto-Äquators eine Reihe mysteriöser dunkler Flecken auf, alle mit einem Durchmesser von rund 480 Kilometern und gleichmäßig in der Region verteilt. Solche Flecken haben Astronomen noch nie beobachtet. "Das ist wirklich ein Rätsel", sagt Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Die Wissenschaftler könnten kaum erwarten, dieses Rätsel zu lösen. Helfen wird ihnen dabei "New Horizons".

Mehr als 4,8 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt befindet sich die Sonde jetzt nach neueinhalbjähriger Reise in der letzten Phase des Anflugs auf Pluto . "New Horizons" soll die Oberflächenformen des Zwergplaneten kartieren. Außerdem wird das 465-Kilo-Raumfahrzeug von der Größe eines Konzertflügels die Atmosphären von Pluto und seinem großen Mond Charon untersuchen - und herauszufinden versuchen, ob es in ihrem Inneren womöglich Ozeane gibt.

Pluto ist etwa um ein Drittel kleiner als unser Mond. Der im Jahr 1930 von dem US-Astronomen Clyde Tombaugh entdeckte Himmelskörper war jahrzehntelang der kleinste und sonnenfernste der damals neun Planeten unseres Sonnensystems. 2006 wurde Pluto jedoch der Planetenstatus aberkannt, seither gehört er der damals neu geschaffenen Klasse der Zwergplaneten an. Neben Charon - benannt nach dem Fährmann aus der griechischen Mythologie, der die Verstorbenen über den Totenfluss Styx geleitete - hat Pluto mindestens vier weitere Monde: Nix, Hydra, Styx und Kerberos. Zwischen Pluto und Charon zeigen die aktuellen Bilder von "New Horizons" einen deutlichen Farbunterschied: Im Gegensatz zu Pluto ist Charon "dunkel und grau", wie Alan Stern erläutert. Auch darauf können sich die Forscher noch keinen Reim machen.

Alan Stern ist bereits jetzt sicher: Die Erforschung des Pluto-Systems werde "beispiellose wissenschaftliche Folgen" haben, sagt der wissenschaftliche Leiter der Mission - am ehesten vergleichbar mit denen der legendären "Voyager"-Raumschiffe in den 80er Jahren.