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Handball EM: Deutschland steht nach 28:27 gegen Lettland in Hauptrunde

28:27 gegen Lettland : Mit einem Zittersieg in die Hauptrunde

Deutsche Handball-Nationalmannschaft ist nach 28:27-Erfolg gegen Lettland bei der EM weiter. Fast Sieben-Tore-Vorsprung vergeben.

Das Zwischenziel ist erreicht, die Hauptrunde kann nach einem wahren Zittersieg gegen Lettland beginnen: Dank ihres treffsicheren Rückraum-Schützen Julius Kühn können sich die deutschen Handballer nach dem hart erkämpften 28:27 (16:11)-Zittersieg gegen den EM-Debütanten auf den Weg zur zweiten Turnierphase nach Wien machen. Kühn, der aus dem Rückraum acht Mal traf, war am Montagabend der Hauptgarant für einen Sieg, der nach einer zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Führung in den letzten Sekunden noch einmal in Gefahr geriet.

„Wir sind am Ende mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Kühn: „Aber auch so ein Spiel muss man erst mal gewinnen, letztlich konnten wir das Ding dann doch noch nach Hause schaukeln.“

Am Dienstag fliegt die Delegation des Deutschen Handballbundes (DHB) von Trondheim nach Wien, wo aller Voraussicht nach am Donnerstag das erste Spiel der Haupt­runde gegen Weißrussland ansteht. Die Frage nach dem Gruppensieg wurde erst im anschließenden Spiel zwischen Titelverteidiger Spanien und den Niederlanden entschieden (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Sollte Oranje nicht mit wenigstens zehn Toren gewinnen, würde Deutschland als Gruppenzweiter hinter den Iberern mit null Punkten in die Hauptrunde starten.

Die Partie war das Spiel des Julius Kühn, der reichlich Selbstvertrauen sammelte. Mit einem Doppelschlag in der 20. und 22. Minute zum 11:7 begann die Show des zwei Meter großen Rückraumspielers von der MT Melsungen. Immer wieder stieg Kühn hoch, klug in Szene gesetzt von seinen Nebenleuten um Regisseur Paul Drux, und hatte mit seinem achten Treffer zum 23:16 in der 41. Minute eine Quote von 100 Prozent. Als Kühn, der auch als Anspieler glänzte, gegen Lettland nicht mehr traf, kam ein Bruch ins deutsche Spiel. „Das war keine leichte psychologische Situation, wir konnten nicht viel gewinnen, aber viel verlieren“, sagte Bundestrainer Christian Prokop zum Sieg.

Deutschland kam nach zähem und ausgeglichenem Beginn gut ins Spiel. Im Gegensatz zum völlig verkorksten Gruppenspiel gegen Spanien (26:33) war die Körpersprache nicht nur bei Kapitän Uwe Gensheimer eine ganz andere: Die 3450 Zuschauer in Trondheim sahen eine zupackende deutsche Abwehr, die Lettlands 2,15-Meter-Mann Dainis Kristopans gut im Griff hatte, und eine entschlossene Offensive, der aber noch zu oft die Ideen im Positionsangriff fehlten.

Im Tor begann Johannes Bitter. Er war es auch, der in der 15. Minute eine Art Wende einleitete. Der Hüne vom TBV Stuttgart parierte beim Stand von 6:6 einen Siebenmeter von Lettlands Regisseur Maris Versakovs. Unmittelbar danach brachten Kreisläufer Jannik Kohlbacher (16.) Rechtsaußen Tobias Reichmann (16.) und Abwehrchef Hendrik Pekeler (18.) ihre Mannschaft mit 9:6 in Führung.

Im Tor glänzte Johannes Bitter mit einigen wichtigen Paraden. In den letzten 15 Minuten schlichen sich dann aber wieder alte Fehler ins deutsche Spiel ein. Zwischen den Pfosten agierte nun Andreas Wolff wie gegen Spanien wieder unglücklich, die Letten kamen immer näher heran. Zeitweise in doppelter Unterzahl spielend, geriet Deutschland völlig außer Tritt. Nach einer Auszeit brachte ein Siebenmetertor von Tobias Reichmann das 26:22, dennoch kam Lettland noch einmal bis auf ein Tor heran.