Neuer Modus, mehr Spiele und drei Ausrichter

Handball-EM : Neuer Modus, mehr Spiele und drei Ausrichter

Am Donnerstag beginnt die Handball-Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich. Deutschland ist kein Topfavorit.

Die 14. Handball-Europameisterschaft beginnt an diesem Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF) mit dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande in Trondheim, das Endspiel steigt am 26. Januar in Stockholm. Größte Erfolge der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) sind bislang die EM-Titel 2004 und 2016, zudem gab es eine Silbermedaille 2002 und Bronze 1998. Titelverteidiger ist Spanien, Rekord-Europameister ist Schweden mit vier Titeln. Wir geben einen Überblick über das Turnier.

MEHR, MEHR, MEHR

Mehr Ausrichter, mehr Teams, mehr Spiele: Die erste paneuropäische EM ist in vielerlei Hinsicht ein absolutes Novum. Erstmals richten mit Norwegen, Österreich und Schweden drei Verbände das Turnier aus. Zudem wurde das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Teams aufgestockt, was zur Folge hat, dass in den zweieinhalb Turnierwochen insgesamt 65 statt bisher 47 Spiele ausgetragen werden. Wenn es am Schlusstag um die Medaillen geht, haben die Teams bereits acht (!) Spiele in den Knochen.

DER MODUS

Die Vorrunde wird in sechs statt bisher in vier Vierergruppen ausgetragen. Die ersten beiden Teams jeder Gruppe ziehen in die Hauptrunde ein, in der es zwei Sechsergruppen gibt. Die beiden bestplatzierten Teams der beiden Hauptrundengruppen erreichen das Halbfinale, die Drittplatzierten spielen den fünften Platz aus. Alle Finalspiele werden in Stockholm ausgetragen.

DAS SIND DIE FAVORITEN

An Dänemark, gespickt mit etlichen Bundesliga-Legionären, führt als amtierendem Olympiasieger und Weltmeister kaum ein Weg vorbei. Auch Norwegen mit Weltklasse-Spielmacher Sander Sagosen, der im Sommer nach Kiel wechselt, zählt nach WM-Platz zwei vor einem Jahr zu den ganz heißen Anwärtern auf den Titel. Im Verfolgerfeld tummeln sich die üblichen Verdächtigen: Frankreich gehört mit dem unverwüstlichen Nikola Karabatic (drei EM-Titel, vier WM-Titel, zwei Olympiasiege) natürlich ebenso dazu wie Spanien, Schweden, Kroatien und auch Deutschland. Aufgrund der immensen Leistungsdichte in der Weltspitze dürfte am Ende die Tagesform entscheidend sein. Auch die Kraftreserven spielen eine große Rolle.

DER DEUTSCHE WEG

Deutschland trifft in der Vorrundengruppe C in Trondheim auf die Niederlande, Titelverteidiger Spanien (11. Januar) und Lettland (13. Januar). In der zweiten Turnierphase ab dem 16. Januar in Wien kommen Gegner wie Kroatien und Co-Gastgeber Österreich infrage. Die andere Hälfte des Tableaus ist mit Mannschaften wie Weltmeister Dänemark, Vize-Weltmeister Norwegen, dem WM-Dritten Frankreich und Vize-Europameister Schweden deutlich stärker einzuschätzen.

DAS SPRICHT FÜR DEUTSCHLAND

Durch die Verletzungen etlicher Stammkräfte im Rückraum geht das Team von Bundestrainer Christian Prokop mit einem Handicap an den Start. Als großer Vorteil könnte sich allerdings der Spielplan erweisen. Die vergleichsweise leichte Vorrundengruppe sollte kein Problem darstellen, dadurch könnten sogar wichtige Körner gespart werden. In der Hauptrunde gilt es dann, Kroatien und/oder Spanien hinter sich zu lassen, um das Halbfinale zu erreichen. Dann ist alles möglich. Rückblick: Auch vor der EM 2016 hatte es zahlreiche verletzungsbedingte Absagen gegeben, das Ende ist bekannt: Deutschland holte Gold.

EM IM TV

Die Öffentlich-Rechtlichen ARD und ZDF übertragen alle deutschen Spiele im Wechsel live im Fernsehen. Den Anfang macht am Donnerstag (18.15 Uhr) das ZDF mit der Partie gegen die Niederlande. Ein mögliches deutsches Halbfinale am 24. Januar zeigt das ZDF, das Finale mit deutscher Beteiligung wäre in der ARD zu sehen. Die EM-Spiele ohne deutsche Beteiligung werden von der Online-Plattform Sportdeutschland.tv übertragen. Zudem überträgt der Fernsehsender Eurosport bis zu 18 Spiele ohne deutsche Beteiligung im Free TV, dazu gehören – abhängig vom Abschneiden der DHB-Auswahl – auch die Halbfinals und das Endspiel.

QUOTENHIT

Die deutschen Handballer hatten im Vorjahr den WM-Titel verpasst, aber für die TV-Überraschung des Jahres gesorgt. Die meistgesehene Sport-Sendung 2019 war mit 11,901 Millionen Menschen das verlorene Halbfinale gegen Norwegen. Wie beliebt die Handballer sind, zeigen die Werte anderer WM-Spiele: Die Auswahl nutzte das Jahr ohne Fußball-Großereignis und schaffte zwei weitere Top-Zehn-Platzierungen.

ZUKUNFT IM FERNSEHEN

Nach zwei Weltmeisterschaften mit Übertragungen im Bezahl-Fernsehen (2015) oder im Internet (2017) haben sich ARD und ZDF wieder die Rechte gesichert. Sie zeigten 2019 die wichtigsten Partien der WM in Deutschland und Dänemark und sind auch 2021, 2023 und 2025 wieder am Ball. Auch die Europameisterschaften 2022 und die in Deutschland stattfindende EM 2024 wird öffentlich-rechtlich übertragen.

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