Saarlouis/Saarbrücken: Saarlouiser Linken-Chef droht nach Juden-Aussage der Partei-Rauswurf

Saarlouis/Saarbrücken : Saarlouiser Linken-Chef droht nach Juden-Aussage der Partei-Rauswurf

Von Daniel Kirch

Der Landesvorstand der Linken will den Vorsitzenden des Stadtverbandes Saarlouis, Mekan Kolasinac, aus der Partei ausschließen. Der 47-Jährige hatte Bundesparteichef Bernd Riexinger auf Facebook als „falschen hinterlistigen Juden“ bezeichnet (die SZ berichtete). Der Landesvorstand distanziere sich in aller Entschlossenheit von diesen antisemitischen Aussagen und habe beschlossen, ein Parteiausschluss-Verfahren gegen Kolasinac einzuleiten, teilte die Partei mit. Die Landesvorsitzende Astrid Schramm erklärte: „Derlei Gedankengut hat nichts in unserer Partei verloren.“

Kolasinac hatte erklärt, er habe nicht „Jude“ schreiben wollen, sondern „Judas“. „Ob dies durch die automatische Textkorrektur oder bei Auswahl des Wortvorschlages geschehen ist, weiß ich nicht.“ Aber er sei mehr als erschrocken, als er nach dem ersten Hinweis seinen Text auf seinem Smartphone gesehen habe. Er habe die Lehre gezogen, dass auch Parteifreunde „einem lieber etwas abgrundtief Böses unterstellen, statt von einem harmlosen Fehler auszugehen“. Die zweite Lehre sei, keine Texte mehr auf dem Handy abzusenden, ohne sie korrekturzulesen.

Nun liegt der Ball bei der Schiedskommission der Saar-Linken. Dieses Gremium ist aber, ebenso wie der Landesvorstand, völlig zerstritten. In Kürze muss die Kommission auch über Ausschluss-Anträge gegen weitere Funktionäre befinden.

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall dadurch, dass Kolasinac, als Betreiber von Imbissständen bei Volksfesten im Saarland bekannt, nebenher Mitarbeiter von Schramms Gegenspieler Thomas Lutze ist. Der Bundestagsabgeordnete kritisierte gestern das Ausschlussverfahren und verwies darauf, dass Kolasinac den Beitrag sofort gelöscht und sich entschuldigt habe. Seine Erklärung sei „erstmal nachvollziehbar“. Er, Lutze, werde das Thema aber aufarbeiten und allen Mitarbeitern klarmachen, „was in einer kontroversen öffentlichen Debatte geht und was nicht“. Antisemitismus gehöre nicht dazu.

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