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„Von der Leyen muss aufräumen“

Nach der Enttarnung des offenbar rechtsextremen Oberleutnant Franco A. fordert der Verteidigungsexperte der Grünen, Omid Nouripour, den Fall gründlichst aufzuklären. Es sei bizarr, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erst jetzt einen „Korpsgeist“ in der Truppe feststelle, sagt Nouripour unserer Zeitung. Hagen Strauß

Herr Nouripour, was läuft da schief bei der Bundeswehr?
Omid Nouripour:
Die Bundeswehr hat sich in den 1990er Jahren sehr stark auf den Bereich Rechtsextremismus konzentriert, weil es damals viele Vorfälle gab. Dieser Fokus ist anscheinend verlorengegangen. Denn zuletzt hat man vor allem versucht, nicht von Dschihadisten unterwandert zu werden. Was richtig ist. Aber man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.

Ministerin von der Leyen spricht von "falsch verstandenem Korpsgeist" in der Truppe. Ist dem so?
Omid Nouripour:
Ich finde es bizarr, dass die Ministerin dies erst jetzt merkt. Sie ist schließlich schon vier Jahre im Amt. Ich warne allerdings davor, den ganzen Fall von Franco A. nur auf die Bundeswehr zu schieben. Da gibt es noch mehr Zuständige. Damit meine ich zum Beispiel jene, die ihn als Flüchtlinge registriert haben, ohne zu merken, dass er kein Arabisch kann. Auch in dem Bereich liegt etwas im Argen.

Was muss von der Leyen jetzt leisten?
Omid Nouripour:
Das Thema ist zum Glück ganz oben bei ihr angekommen. Von der Leyen muss jetzt gründlichst aufklären und alles auf den Tisch legen, was es an Informationen gibt. Und: Sie muss in der Truppe aufräumen.

Das heißt, Sie sehen in der Bundeswehr ein Führungsproblem?
Omid Nouripour:
Ja. Die Erkenntnisse, die wir aus den 1990iger Jahren hatten, haben uns damals sehr weit gebracht. Sie sind dann aber wohl in Vergessenheit geraten. Das hat etwas mit Führungsproblemen zu tun.

Die Bundeswehr im Umbruch. Sie sucht händeringend Personal. Ist da die Gefahr groß, die Falschen in die Truppe zu holen?
Omid Nouripour:
Es gibt kein Naturgesetz, dass nur Nazis sich freiwillig für die Bundeswehr melden. Man muss aber bei den Bewerbern genauer hinschauen. Andere Länder standen nach der Abschaffung der Wehrpflicht vor ähnlichen Problemen und haben sie in den Griff bekommen. Das erwarte ich jetzt auch von Frau von der Leyen.