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Saarlouis
Pluralismus statt Monokultur im „Dreiklang“

Werke des aus Karlsruhe stammenden Künstlers Reinhold Braun gehören zum Treffpunkt Kunst, den Galerist Bernhard Giebel präsentiert.
Werke des aus Karlsruhe stammenden Künstlers Reinhold Braun gehören zum Treffpunkt Kunst, den Galerist Bernhard Giebel präsentiert. FOTO: Sophia Bonnaire
Saarlouis. Die Räumlichkeiten der Ludwig Galerie Saarlouis machen es möglich: Alle drei Saarlouiser Künstlergruppen stellen erstmals zusammen aus.

Figuratives steht neben der Abstraktion, Kubismus neben Surrealismus, Informell neben Realismus. Malerei, Grafik, Fotografie, Skulpturen und Plastiken – alle Genres sind zu sehen. Ebenso vielfältig sind die Arbeitstechniken und Arbeitsmaterialien wie Sandstein, Marmor, Holz, Bronze, Ton, Glas, Pappmaché, Zeitungspapier, Kunststoff-Folie, Farbe, Dipond, Leinwand. Auch die Themenpalette ist breit gestreut. Sie reicht von der Architektur über lyrische zur geometrischen Abstraktion, von surrealen Traumlandschaften bis hin zu verfremdeten Stadtansichten, von der Musik bis zur Mythologie, von der Natur über Porträts bis zu fantastischen Figuren. „Pluralismus statt Monokultur“, so bezeichnete Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz das Spektrum der Ausstellung „Dreiklang“ in ihrer Rede.


Die Kaserne VI war bereits in den 50er-Jahren Ausstellungsort für Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Nikolaus Simon, dem Schöpfer des Geschichtsreliefs am Saarlouiser Rathaus, in der damals gegründeten „Kunststube“, der Keimzelle der 1974 aus der Taufe gehobenen Künstlergruppe Untere Saar, zusammengefunden hatten, wie Wiotte-Franz in Erinnerung rief. Nach dem Tod von Wolfgang Groß-Mario, Günther Willeke und Siegfried Pollack sind Cilli Willeke und Alexander Thugutt als Gründungsmitglieder verblieben. Hinzugekommen sind Werner Bärmann, Rita Burgwinkel, Roy Gangi, Gaetano Gross, Angela Pontius, Roland Schmitt und Norbert Weber sowie Wolfgang Bier, Andrea Denis, Dieter Müller, Stefanie Weber und der Luxemburgische Bildhauer René Kayl.

Günther Willeke gründete 1985 das Kunstforum, dem ebenso seine Frau Cilli sowie Pollack angehörten. Heute zählen Ulrike Rupp-Altmeyer, Rita Burgwinkel, Inge Brühl, Gerhard Meyer, Mario Andruet, Ilka Franke, Hanne Müller-Scherzinger, Heidi Rammo, Marlies Rath, Heidi Junges, Ruth Lünkens, Maria Montnacher-Becker, Karin Plocher sowie Margarete Weiland-Ansbach und Lucyna Izdebska-Liebo dazu.



Wichtig war dem Kunstforum von Anfang an, nicht nur Kunst im stillen Kämmerlein zu machen, sondern sich auszutauschen und sich sozial zu engagieren. Aus diesem Anliegen entstand der Kunstkalender, der seit 1991 jährlich mit 12 verschiedenen Blättern herausgegeben wird. Aus dem Verkauf konnten inzwischen 180 000 Euro an „Menschen in Not“ gespendet werden.

Der von 2019 wurde am Sonntagmittag im Haus Saargau vorgestellt, wo die Originale zu sehen sind. Ihren besonderen Dank richtete Wiotte-Franz an die Vorsitzenden der beiden Künstlergruppen, Gaetano Gross und Ulrike Rupp-Altmeyer, die beide über 20 Jahre ihr Amt innehaben.

Bereits 40 Jahre engagiert sich der ehemalige Familienrichter Bernhard Giebel für den „Treffpunkt Kunst“. Auch er wurde belobigt und bedankt. Diesmal zeigt er Reinhold Braun. Seinem Werk widmete sich Michaela Mazurkiewicz-Wonn. Auf Wunsch seines Freundes Giebel hatte er sich dem „Akt“ angenommen – „ein Sujet, das er in seiner Malerie bis dato nicht explizit thematisiert hatte, das ihm dennoch vertraut ist, zumal der aus Karlsruhe stammende Künstler seit gut zehn Jahren in München eine Aktzeichenklasse leitet“, erläuterte die Kunsthstorikerin.

Einen faszinierenden Eindruck von der Auseinandersetzung mit der weiblichen Gestalt vermitteln neben zahlreichen anderen Werken sechs Papierarbeiten, die spontan als Bleistift- und Kreidezeichnungen entstanden. Eine sehenswerte Ausstellung, die einen Überblick über die aktuelle Kunstszene in der Region und darüber hinaus vermittelt.