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Aretha Franklin
Die Stimme, die nie verstummen wird

  Soul-Sängerin Aretha Franklin starb im August an Krebs.
Soul-Sängerin Aretha Franklin starb im August an Krebs. FOTO: AP / Amy Sancetta
Detroit. Von Fatima Abbas
Fatima Abbas

Als sie ging, blieben sieben Buchstaben. Blieb eine Tonspur, die Aretha Franklin über alle Grenzen hinweg gelegt hat. So als habe ihre Stimme der Welt einmal die Hand gereicht – und sie nie wieder losgelassen. R-E-S-P-E-C-T. Darum bat sie nicht, sie forderte ihn ein. Und wenn ihr entscheidender Song von 1967 auf Youtube bald zum 47 millionsten Mal aufgerufen wird, wird Aretha Franklin auch noch posthum hunderttausendfach Respekt eingefordert haben. „Just a little bit of respect when I come home“: Kaum einem ist diese Textzeile noch nicht über die Lippen geschmettert. Ganz besonders kurz nach dem 16. August 2018, dem Tag, an dem die „Queen of Soul“ im Alter von 76 Jahren verstarb, aber nicht verstummte. Franklin hallt nach, egal ob R&B, Gospel, Jazz oder Pop aus ihr heraussprangen und nicht locker ließen, bis sie andockten.


Und so überrascht es wenig, dass sie Ende August zu Tausenden kamen, um der Soul-Ikone vor dem Greater Grace Temple in ihrer Heimat Detroit die letzte Ehre zu erweisen. Ihre Fans fanden dort eine Königin, aufgebahrt in einem goldenen Sarg. In jenem Modell, in dem auch der „King of Pop“ Michael Jackson die letzte Ruhe fand.

Ein Kleid mit roten Highheels von Louboutin, die Beine übereinandergeschlagen. Die letzten Bilder einer Diva, die dem Krebs mit Würde erlegen ist. Am Freitag, 31. August, fuhr man sie in demselben Leichenwagen zum Friedhof wie einst die Bürgerrechts-Pionierin Rosa Parks.



Geboren wurde Franklin 1942 in Memphis, Tennessee. Ihre Mutter verließ die Familie früh, Franklin wuchs in Detroit auf, mit ihrem Vater und vier Geschwistern. Später bekam sie selbst vier Kinder – ihr erstes bereits im Alter von zwölf.

Als Billie-Holiday-„Entdecker“ John Hammond die 18-jährige Franklin hörte, wittertete er ein „ungeschultes Genie“. Der Durchbruch gelang sieben Jahre später, 1967, mit der Ballade „I never loved a man“ – ihr Debüt bei „Atlantic Records“. Kurz darauf machten sie Titel wie „Respect“ oder „Chain of Fools“ unsterblich.

Vielleicht war es die abwesende Mutter, die Franklin zu dem Blues befähigte, der selbst US-Präsidenten wie Bill Clinton oder Barack Obama zu Tränen rührte. Vielleicht vermochte sie es nur deshalb, „Respect“ zum feministischen Schlachtruf, zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung zu erheben. Ihr Antrieb bleibt vielen bis heute ein Rätsel. Nur in einem ist man sich einig: Franklin gilt als die „bedeutendste Soul-Sängerin aller Zeiten“. Ihre Stimme bleibt – als Geschenk der Götter an die Nachwelt.