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„In diesem Job musst du auf dich achten“

„In diesem Job musst du auf dich achten“

Weil Verbraucher zunehmend Geschenke im Internet ordern, haben Paketboten vor Weihnachten besonders viel zu tun. Ohne Hilfe geht es bei ihnen nicht.

Es ist 8.00 Uhr morgens, als Hans-Joachim Harnagel sein erstes Paket des Tages in die Hand. Er liest er den Barcode ab, hebt die Lieferung von der Rutsche und stellt sie im Wageninneren ab. Für den DHL-Paketboten in Braunschweig beginnt nun der Arbeitstag. Im Sekundentakt kommen weitere Pakete hinzu. Sie alle lädt Harnagel nach und nach in den Postwagen. "280 Sendungen sind es heute", sagt der 58-Jährige. "In normalen Zeiten sind es höchstens 200."

Doch die Vorweihnachtszeit ist keine normale Zeit. Bis zu 16 000 Pakete werden an Spitzentagen derzeit in Braunschweig umgeschlagen - fast doppelt so viele wie sonst. "Bundesweit sind es im Moment rund 8,5 Millionen Pakete, die DHL transportiert", schätzt der Leiter der Zustellbasis, Uwe Bergmann. Das seien fast vier Millionen mehr als in ruhigeren Zeiten. Und es werden durch den rasant zunehmenden Internethandel immer mehr.

Für die Zusteller bedeutet das vor allem Stress. Unter anderem, weil Bestellungen, die bis zum 22. Dezember eingehen, pünktlich bis Weihnachten ausgeliefert werden sollen. 25 zusätzliche Aushilfskräfte wurden deshalb in Braunschweig für die Weihnachtstage eingestellt. "Sonst wäre das schlichtweg unmöglich", sagt Harnagel.

Harnagel beliefert die Braunschweiger Innenstadt. "Ein Großteil meiner Adressaten sind Geschäfte", erklärt er. Die Pakete dürfen maximal 31,5 Kilogramm wiegen. Nur selten muss Harnagel damit in den fünften Stock eines Mehrfamilienhauses. "Doch auch das kommt vor", sagt er. Vor zwei Jahren hatte er es im Rücken: "Reha, Rückengymnastik, das volle Programm." Noch heute macht er regelmäßig seine Übungen. "In diesem Job musst du auf dich achten."

"In der Branche herrscht jetzt zum Weihnachtsgeschäft in ganz Deutschland ein Riesenpersonalmangel", sagt Thomas Warner. Er ist bei der Gewerkschaft Verdi zuständig für den Bereich Post und Logistik. "Selbst die Zeitarbeit-Firmen haben kaum noch Leute, um den Bedarf zu decken." Für viele Werkvertragsarbeiter bedeute das häufig einen Zehn-Stunden-Tag bei sechs Tagen die Woche.

Immer wieder kritisieren Gewerkschaften die harten Arbeitsbedingungen und die weit verbreitete Praxis der Werkverträge in der Branche. Harnagel ist zwar beim DHL-Mutterkonzern angestellt. "Wir sind aber eine aussterbende Rasse", sagt er. Die Tochter DHL Delivery zahlt deutlich weniger für die gleiche Arbeit. Und bei den Konkurrenten DPD und Hermes sind die Bedingungen noch härter.

Harnagel übergibt in einem Reformhaus das Paket vom Morgen an den Adressaten. Die Lieferung ist am Ziel. Harnagels Fahrt geht noch einige Stunden weiter.