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Der heimliche Gewinner der Wahl

Der heimliche Gewinner der Wahl

Die Ensheimer Druckerei Braun Klein Siebdruck stellt Wahlplakate für fast alle Parteien her. Die Maschinen laufen zurzeit auf Hochtouren.

Bei Braun Klein Siebdruck herrscht Hochkonjunktur. Die Druckerei produziert Wahlplakate für die Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein. 40 Mitarbeiter sind seit Wochen im Dauereinsatz. Wenn nötig, auch am Wochenende. Bis zu 20 000 Plakate können die Druckmaschinen täglich ausspucken.

Zu den Kunden zählen CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und auch kleinere Parteien wie die Liberal Konservativen Reformer (LKR). Wichtig ist Geschäftsführer Gerhard Klein, dass er politisch unabhängig ist: "Ich kann selbst entscheiden, für wen und was gedruckt wird". Auch die AfD habe angefragt. "Die dürfen bei uns aber nicht drucken", sagt Klein. Gleiches gelte für die NPD.

Beim Druck von Wahlplakaten gehöre sein Unternehmen zu den Top Fünf in Deutschland, sagt der Druckerei-Chef. In Wahljahren verzeichne seine Firma ein Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent. Die Phase vor Wahlen nennt Klein "Osterhasen-Produktion". Die Mitglieder der gegnerischen Parteien sehen die Entwürfe erst sechs Wochen vor dem Wahltag - dann darf im Saarland laut Gesetz plakatiert werden. Um die "Oster-Überraschung" geheim zu halten, liefern firmeneigene Lkw direkt an die Auftraggeber.

Braun Klein Siebdruck ist auch bei den Bundestagswahlen gefragt. In Kürze fahre er zu Verhandlungen nach Berlin, berichtet Klein. "Wir haben viel Arbeit investiert, um Kontakte zu den großen Parteien zu knüpfen", sagt er. Der ausschlaggebende Punkt für eine gute Zusammenarbeit sei Termintreue. "Wenn wir nicht rechtzeitig liefern, ist das für die jeweilige Partei ein riesiger Nachteil."

Die Druckerei ist sowohl auf Sieb- als auch auf Digitaldruck spezialisiert. Eine Million Euro hat Klein 2013 in einen neuen Digitaldrucker investiert. "Damit können wir starre Materialen bis zu einer Breite von 2,5 Metern und einer Stärke von 0,4 Zentimetern bedrucken", erklärt Klein. Digitaldruck eigne sich jedoch nicht für hohe Auflagen. Bei großen Aufträgen sei Siebdruck kosteneffizienter. Außerdem gehört das Unternehmen zu den Marktführern im Bedrucken von Polypropylen-Hohlkammermaterial. Ein wiederverwertbarer Kunststoff, der auch in der Autoindustrie für Bauteile verwendet wird. "Jedes Jahr verarbeiten wir viele Tonnen dieses Materials", sagt Geschäftsführer Klein.

Ursprünglich lag der Schwerpunkt der Firma auf Textil- und Aufkleberdruck. Kleins Onkel Helmut Klein und dessen damaliger Geschäftspartner Gregor Braun gründeten das Unternehmen 1983. "Erst als eine Zusammenarbeit mit Praktiker ins Laufen kam, haben wir gemerkt, wo unser Markt liegt. Nämlich im Einzelhandel", sagt Klein, der die Firma zusammen mit Achmed Junk führt. 2013 meldete die Baumarktkette Insolvenz an. Die Druckerei verlor einen ihrer größten Auftraggeber. Einige Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen. Heute betreut Braun Klein Siebdruck neben Wahlkampf-Kampagnen deutschlandweite Aktionen von großen Handelsketten wie Real, Globus und Rossmann .