Pharma-Firmen zocken Bürger bei Arznei ab

Pharma-Firmen zocken Bürger bei Arznei ab

Berlin. Mit teils extrem hohen Preisen greift die Pharma-Industrie tief in die Taschen der deutschen Versicherten. Viele Arzneien kosten hierzulande zwischen 30 und 500 Prozent mehr als beispielsweise in Schweden, wie der gestern vorgestellte Arzneiverordnungs-Report 2010 zeigt. Im EU-Vergleich liegen die Preise mit an der Spitze

Berlin. Mit teils extrem hohen Preisen greift die Pharma-Industrie tief in die Taschen der deutschen Versicherten. Viele Arzneien kosten hierzulande zwischen 30 und 500 Prozent mehr als beispielsweise in Schweden, wie der gestern vorgestellte Arzneiverordnungs-Report 2010 zeigt. Im EU-Vergleich liegen die Preise mit an der Spitze. Teure Blutdrucksenker sowie Schmerz-, Krebs- und Asthma-Mittel ließen die Arzneikosten der gesetzlichen Kassen im vorigen Jahr um 4,8 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro steigen - ein neuer Rekordwert. Mit Preisen wie in Schweden und mehr Nachahmer-Medikamenten (Generika) könnten 9,4 Milliarden Euro gespart werden, erklärten der Pharma-Experte Ulrich Schwabe und die AOK Schleswig-Holstein. Sie sind Herausgeber des Reports. Nach Schwabes Angaben verlangen die Hersteller für neue Arzneien in Deutschland Höchstpreise. Die 50 führenden Patent-Medikamente seien im Schnitt 48 Prozent teurer als die entsprechenden Mittel in Schweden. Allein diese Präparate verursachten vier Fünftel des Kostenanstiegs. Bei Generika, für die kein Patentschutz mehr gilt, sieht Schwabe noch krassere Differenzen. Bei einem Magenmittel habe der Unterschied bis zu 546 Prozent betragen. Die 50 umsatzstärksten Generika kosteten im Schnitt 98 Prozent mehr als in Schweden. Das Land wurde als Vergleich gewählt, weil dort die Arzneipreise veröffentlicht sind.Die Pharma-Verbände kritisierten die Studie. Der Vergleich mit Schweden sei verfehlt, sagte Cornelia Yzer, Geschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller. Dort könnten die Firmen einen höheren Anteil vom Endpreis behalten, und der Staat erhebe keine Mehrwertsteuer auf Arznei. Der Steuer-Effekt wurde jedoch nach Schwabes Angaben in der Studie herausgerechnet.Die Experten lobten das Vorhaben der Regierung, eine Nutzenbewertung neuer Arzneien zur Grundlage der Rabattverhandlungen zwischen Kassen und Herstellern zu machen. Deutschland ist neben Malta und Dänemark das einzige Land in Europa, in dem die Hersteller selbst die Preise für Patent-Präparate festlegen dürfen. dpa/dapd