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Nach dem Katastrophen-Sieg ist vor dem Zitter-Konvent

Nach dem Katastrophen-Sieg ist vor dem Zitter-Konvent

Die SPD gewinnt mit desaströsem Ergebnis die Wahl in Berlin. Und feiert – etwas. Anders die Grünen und Linken. Sie wittern ihre Chance auf eine Kabinettsbeteiligung. Auch im Bund?

Die SPD ist diesmal vom Willy-Brandt-Haus in die Columbiahalle gegenüber dem früheren Flughafen Tempelhof gezogen. Dort, wo sonst bis zu 3500 Leute bei Rock-Musik die Stimmung zum Kochen bringen, geht es an diesem Abend weniger euphorisch zu. Manchen Genossen steht sogar der Schreck ins Gesicht geschrieben.

Mit 21 bis 22 Prozent sind die Sozialdemokraten der Hauptstadt zwar erneut stärkste Partei geworden. Aber gut sechs Prozent weniger als beim letzten Mal sind auch nicht unbedingt ein Ruhmesblatt. Sei's drum. Regierungschef Michael Müller hat den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Das legt dem Obergenossen Sigmar Gabriel zumindest keine zusätzlichen Steine in den Weg. Schließlich gilt es schon einen Tag später, einen kleinen Bundesparteitag zum EU-Freihandelsabkommen Ceta zu überstehen. Anders als große Teile der Basis ist Gabriel prinzipiell für die Abmachung.

So herrscht dann auch so etwas wie allgemeine Erleichterung, als Müller und Gabriel gemeinsam die Bühne betreten. "Berlin bleibt sozial und menschlich anständig", ruft der Vorsitzende mit Blick auf das vergleichsweise mäßige Abschneiden der AfD. Erst als ein Genosse im Publikum ergänzt, es reiche locker für Rot-Rot-Grün, bricht lauter Jubel aus.

Auch im E-Werk, einem Ex-Technoclub in Mitte, wird diese Option gefeiert - von den Grünen. Seit 26 Jahren ist die Partei an der Spree in der Opposition. Cem Özdemir sieht sie nun endlich wieder an der Macht. "Berlin braucht wieder eine Regierung, bis jetzt hatten wir eine Verwaltung." Dass die Partei gegenüber ihrem Ergebnis 2011 auch etwas einbüßte, Schwamm drüber. Ist Rot-Rot-Grün nun auch eine Option für den Bund? Da werden der Partei-Chef und die neben ihm stehende Katrin Göring-Eckardt , beide eher für Schwarz-Grün, schmallippig. Im Bund sei noch ein Jahr Zeit, wiegelt die Fraktionsvorsitzende ab.

Ganz anders die Linkspartei, die in einem hippen Party-Schuppen in Friedrichshain feiert. Parteichefin Katja Kipping spricht von einem "großartigen Signal" für den Bund, Co-Chef Bernd Riexinger von einer "hervorragenden Vorlage für die nächste Bundestagwahl". Die Linken sind an diesem Abend die einzige Gruppierung, die ihre Ziele voll erreicht hat: Gegenüber der letzten Wahl deutlich zugelegt, und am Kabinettstisch des Berliner Senats sieht man sich ebenfalls schon sitzen.