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Corona-Infektion: Nicht nur Genesungswünsche für Gesundheitsminister Spahn

Wo hat der Gesundheitsminister sich infiziert? : Nicht nur Genesungswünsche für Spahn

Die Bundesregierung will an ihren Corona-Vorkehrungen nichts ändern. Wo hat der Gesundheitsminister sich infiziert?

Auch am Tag nach Bekanntwerden seiner Corona-Infektion erhielt Jens Spahn viele Genesungswünsche. Von Kabinettsmitgliedern, Ministerpräsidenten, aus den Parteien. Aber auch zahlreiche Bürger wünschten ihm in den sozialen Netzwerken gute Besserung und einen milden Verlauf. Freilich war nicht jeder Spahn wohlgesonnen. Der Gesundheitsminister musste zugleich Häme bis hin zu übelsten Anfeindungen einstecken.

In einigen Chatforen wurde Spahn beschimpft, mit Hohn bedacht wie „geschieht ihm recht“, selbst homophobe Aussagen waren zu lesen. Spahn lebt offen homosexuell. „Wie tief muss oder kann man eigentlich sinken?“, attackierte die ZDF-Journalistin Dunja Hayali die Trolle. „Ach was soll’s, deshalb doppelt und dreifach gute Besserung“, schrieb sie bei Twitter. FDP-Generalsekretär Volker Wissing betonte: „Hoffentlich nimmt die Krankheit einen milden Verlauf. Deutschland braucht Sie gerade jetzt“, so der Oppositionspolitiker.

Die AfD nutzte die Erkrankung des 40-Jährigen dazu, die Corona-Politik der Regierung anzugreifen. So twitterte der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka: „Der nächste Beweis, dass entweder Masken nichts bringen oder Jens Spahn sich nicht an seine Vorgaben hält. Ich behaupte, die Maskenpflicht bringt nichts.“ Dafür erntete er fast einen Shitstorm im Netz. „Sie Armleuchter! Die Maske schützt nicht den Tragenden sondern schützt andere“, antwortete ein User empört. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betonte: „Das kann jedem von uns heute passieren.“ Er wisse, wie vorsichtig der Minister immer gewesen sei. „Das zeigt nur, wie hoch das Infektionsrisiko heute für jeden ist“, betonte Lauterbach.

Spahn ist in der Corona-Krise einer der wichtigsten Akteure. Ungeklärt war auch am Donnerstag, wo genau er sich infiziert hat. Aber da ergeht es ihm nicht anders als vielen anderen Erkrankten, die das nicht wissen. Es gebe keine Indizien, hieß es aus seinem Ministerium. Zu erfahren war, dass dem Minister zwar Risiko-Begegnungen auf seiner Corona-App angezeigt wurden, aber nur mit „niedrigem Risiko“. Ein Sprecher teilte mit, Spahn gehe es den Umständen entsprechend gut. „Er hat weiterhin kein Fieber, zeigt aber Erkältungssymptome.“ Dem Vernehmen nach ist er arbeitsfähig. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus seinem engeren Umfeld wurden inzwischen negativ getestet. Trotzdem arbeitet die Leitung des Ministeriums weiter aus dem Home-Office.

Am Mittwochmorgen vor dem positiven Testergebnis saß Spahn noch mit dem Kabinett zusammen. Es musste aber nicht gesammelt in Quarantäne. Ein Regierungssprecher erläuterte, die Minister tagten im Kanzleramt unter strenger Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Auch im Falle der Teilnahme einer Person, die später positiv getestet werde, sei eine Quarantäne anderer oder gar aller Teilnehmer nicht erforderlich. Wie streng die Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich sind, ist allerdings unklar. Zusätzlich installierte Trennscheiben zwischen den Plätzen der Minister sind nicht vorhanden. Und die Kabinettsmitglieder tragen nicht zu jedem Zeitpunkt eine Schutzmaske. „Die Regeln sind so gehalten, dass man dort die Gefahr einer Ansteckung absolut minimiert“, betonten Regierungskreise am Donnerstag erneut. Spahns Infektion führe nicht dazu, den Umgang in der Bundesregierung zu korrigieren. Noch nicht. Das könnte sich ändern, sollte es zu weiteren Infektionen kommen.

Getestet werden Regierungsmitglieder nur anlassbezogen. Aber es werden Schelltests vorgehalten, um die Arbeit der Bundesregierung zu sichern. Im Kabinett wird Spahn jetzt durch die parlamentarischen Staatssekretäre vertreten. Sollte auch das irgendwann nicht möglich sein, oder aber die Anwesenheit des erkrankten Ministers im Bundestag erforderlich werden, würde das sogenannte „Spiegelressort“ übernehmen. In dem Fall ist es das Arbeitsministerium, das mit dem Gesundheitsressort speziell kooperiert. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) würde dann für seinen Kollegen Jens Spahn einspringen müssen.