Präsident Sebastián Piñera ruft nach Unruhen in Chile Opposition zu Dialog auf

Sebastián Piñera : Chiles Staatschef ruft nach Unruhen Opposition zu Dialog auf

Chiles Präsident Sebastián Piñera hat die Opposition aufgerufen, gemeinsam mit der Regierung Lösungen für die soziale Krise im Land zu finden. „Wir arbeiten an einem Rekonstruktionsplan“, sagte Piñera am Montagabend (Ortszeit).

Ziel sei unter anderem eine Anhebung der Renten, eine Senkung der Medikamentenpreise und eine bessere Regelung der Strompreise. Die kommunistische Partei schloss Piñera von dem Dialog aus. Die Fortschrittliche Partei des ehemaligen Präsidenten-Kandidaten Marco Enríquez-Ominami lehnte eine Teilnahme ab. Die Regierung solle erst den Ausnahmezustand aufheben.

Piñera verteidigte seine Worte vom Vortag, als er von einem „Krieg“ gegen einen höchst gewalttätigen Feind sprach. „Ich habe hart gesprochen, weil mich der Schaden und der Schmerz empören, den diese Gewalt und dieses Verbrechertum verursachen“, sagte der Staatschef. Die Protestwelle war durch eine Erhöhung der Preise für U-Bahn- Tickets in Santiago um umgerechnet vier Euro-Cent ausgelöst worden.

Die Zahl der Todesopfer bei den Unruhen ist nach offiziellen Angaben auf 15 gestiegen. Insgesamt elf Menschen seien in der Hauptstadt Santiago de Chile bei Bränden in geplünderten Supermärkten gestorben. Zwei weitere Menschen wurden durch Schüsse in den Orten Coquimbo und La Serena getötet, wie der Staatssekretär des Innenministeriums, Rodrigo Ubilla, am Dienstag mitteilte.

Wer die Schüsse abgefeuert hatte, sagte der Minister nicht. Ein weiterer Mensch sei in der Stadt Talcahuano von einem Militärfahrzeug überfahren worden. Über das 15. Opfer wurden keine Details mitgeteilt. In der Hauptstadt und mehreren anderen Städten des südamerikanischen Landes gilt der Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre. Insgesamt sei das Ausmaß der Gewalt rückläufig, sagte Ubilla. In der Nacht zu Dienstag seien im ganzen Land 255 gewalttätige Zwischenfälle registriert worden nach 355 in der Nacht zuvor.

Die Protestwelle war durch eine Erhöhung der Preise für U-Bahn- Tickets in Santiago ausgelöst worden. Dann entlud sich aufgestauter Ärger unter anderem wegen niedriger Löhne und Renten, hoher Preise, hoher Studiengebühren und wegen extremer Unterschiede zwischen Armen und Reichen. Rasch weiteten sich die Kundgebungen und auch die Ausschreitungen auf das ganze Land aus. Vergangenen Freitag verhängte die Regierung den Ausnahmezustand zunächst über die Hauptstadt. Die Tariferhöhung wurde zurückgenommen.

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