Alkoholkonsum Jugendliche trinken weniger, junge Erwachsene mehr

Berlin/Saarbrücken · Drogenbeauftragte sieht keinen Grund zur Entwarnung

(dpa/SZ) Dass zu viel Alkohol gesundheitsschädlich ist, bestreitet niemand. Wie cool finden es junge Leute trotzdem, zu Bier, Wein oder Schnaps zu greifen? Immerhin: Regelmäßiger Alkoholkonsum ist bei Jugendlichen in Deutschland laut einer Studie so unbeliebt wie nie – unter jungen Erwachsenen nimmt exzessives Trinken aber wieder bedenklich zu. Mit aller Vorsicht, so teilte das saarländische Sozialministerium dazu mit, könne man sagen, dass im Jugendalter erworbene Trinkgewohnheiten im Laufe des Lebens oftmals beibehalten werde, was erklären könnte, dass sich junge Erwachsene wieder häufiger in den Rausch trinken.

Aktuell handelt es sich bei den Vollrausch-Trinkern um 37,8 Prozent der 18- bis 25-Jährigen, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am Mittwoch nach Umfragedaten von 2018 mitteilte. Das waren fünf Prozentpunkte mehr als zwei Jahre zuvor und überhaupt der erste Anstieg seit längerem. Dabei wird gesundheitlich riskantes Trinken unter jungen Frauen wieder zu einem wachsenden Problem.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sieht auch keinen Grund zur Entwarnung. „Wir müssen sehr wachsam bleiben“, sagte die CSU-Politikerin in Berlin. Nicht überall weise der Trend in die richtige Richtung. Zuerst sei es „eine gute Nachricht“, dass regelmäßiger Alkoholkonsum bei Jugendlichen immer seltener wird. Unter den 12- bis 17-Jährigen trinken laut Studie aktuell noch 8,7 Prozent mindestens einmal pro Woche Bier, Wein oder anderes – ein neuer Tiefstand. Im Jahr 2004 waren es 21,2 Prozent gewesen. Noch nie im Leben Alkohol getrunken haben nun 38,1 Prozent der Jugendlichen. Auch der Zeitpunkt, ab dem Alkohol eine Rolle spielt, hat sich seit 2004 um ungefähr ein Jahr verschoben: Das erste Glas trinken Jugendliche mit 15 statt mit 14, den ersten Rausch haben sie inzwischen mit 16 Jahren statt mit 15.

Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 zeigt sich dann aber ein anderes Bild. Fast alle (95,1 Prozent) haben schon Alkohol getrunken. Regelmäßig tun dies laut Umfrage aktuell auch wieder mehr. Nämlich ein Drittel (33,4 Prozent), nachdem es vor zwei Jahren 30,7 Prozent waren. Auf lange Sicht gibt es aber auch hier einen klaren Rückgang.

Auffällig sind jedoch Anstiege bei jungen Frauen. In einen Rausch getrunken haben sich nach eigenem Bekunden nun 28,4 Prozent (2016: 22,6 Prozent). Dabei bedeutet Rausch, dass man in den 30 Tagen vor der Befragung an mindestens einem Tag bei einer Gelegenheit fünf Gläser oder mehr konsumiert hat. Auf 14,9 Prozent gestiegen ist auch der Anteil junger Frauen, die riskant große Alkoholmengen trinken (2016: 11 Prozent). Generell konsumieren Männer aber weiterhin mehr als Frauen. Für die alle zwei Jahre vorgenommene Studie wurden von April bis Juni 2018 rund 7000 Menschen vom Institut Forsa befragt.

Mortler betonte, einen ansteigenden Trend bei jungen Leuten gelte es zu bremsen. Erwachsensein heiße nicht, dass es plötzlich in Ordnung sei, zu viel zu trinken. Es sei nicht „in irgendeiner Weise cool, sich mit Alkohol in einen Zustand der Besinnungslosigkeit zu befördern“. Zum Gegensteuern setzt sie vor allem auf Aufklärung und Vorbeugung, insbesondere direkt vor Ort.

Trotz bekannter Gesundheitsschäden wird weltweit immer mehr Alkohol getrunken, wie eine Studie im Fachblatt „The Lancet“ ergab. Laut einer Auswertung von Daten aus 189 Ländern ist der Konsum der Weltbevölkerung von 1990 bis 2017 um 70 Prozent gestiegen –  wegen des Bevölkerungszuwachses und eines stärkeren Pro-Kopf-Konsums.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort