Katholische Kirche: Papst Franziskus gilt als Frauen-Förderer. Doch die Frauen-Frage bleibt weiterhin offen.

Katholische Kirche : Die Frauen-Frage bleibt weiter offen

Zur Rolle des weiblichen Geschlechts in der katholischen Kirche hatte der Papst 2016 eine Kommission eingerichtet. Konkrete Ergebnisse hat sie (noch) nicht gebracht.

Es ist eine der explosivsten Fragen in der katholischen Kirche: Welche Rolle sollen Frauen in einer der größten Glaubensgemeinschaften künftig spielen? Auf der Rückkehr von seiner Pastoralreise nach Bulgarien und Nord-Mazedonien äußerte sich Papst Franziskus zu einem Thema, das mit dieser Frage unmittelbar verbunden ist. Ein mitreisender Journalist hatte den Papst am Dienstag nach der Weihe von weiblichen Diakonen gefragt, wie sie in der orthodoxen Kirche vorkomme. Franziskus hatte 2016 zum Thema eine historisch-theologische Kommission eingerichtet, die die Rolle von Frauen in der Frühkirche beleuchten sollte. Nun teilte der Papst offiziell mit: Die Arbeit der Kommission ist beendet, zu einem eindeutigen Ergebnis seien die Fachleute allerdings nicht gekommen.

Die Kommission habe zwei Jahre lang beraten, die verschiedenen Ansichten der Kommissionsmitglieder hätten nur bis zu einem gewissen Punkt übereingestimmt. „Jeder hatte dann eine eigene Vision, die nicht mehr mit der der anderen übereinstimmte, und dort haben sie die Arbeit der Kommission dann beendet“, erklärte Franziskus. „Die Weiheformeln, die man bisher gefunden hat, sind nicht dieselben wie die eines männlichen Diakons, sie ähneln eher denen einer Äbtissin“, fügte der Papst hinzu. Andere hätten gesagt, dass es zu Beginn Diakoninnen gegeben habe, die etwa bei der Taufe von Frauen oder bei der Untersuchung misshandelter Frauen zum Einsatz kamen. „Aber war das auch eine sakramentale Weihe?“ Darüber gebe es keine Gewissheit. Einige Forscher hätten vorgeschlagen, die Studien zu vertiefen. Ob er am Thema weiter arbeiten lasse, ließ Franziskus offen. Die Frauenfrage in der katholischen Kirche bleibt damit weiter virulent.

Die Frage der Diakoninnen ist von Bedeutung, weil es sich um ein Weiheamt handelt. Diakone bekommen dasselbe Sakrament wie Priester und Bischöfe, dürfen aber keine Messe feiern. Befürworter der Priesterweihe für Frauen argumentieren: Wenn Frauen Diakoninnen werden können, warum sollten sie dann nicht auch zu Priesterinnen geweiht werden? Ähnliche Fragen könnten auch bei der Amazonas-Synode berührt werden, die Franziskus für Oktober im Vatikan einberufen hat. Die katholischen Bischöfe wollen dort unter anderem über wirksame Mittel diskutieren, wie man dem Priestermangel in dem weitläufigen Gebiet entgegentreten kann. Was die Weihe von Frauen zu Priesterinnen angeht, hat Franziskus allerdings in der Vergangenheit bereits klar gemacht: Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt werde es in der katholischen Kirche definitiv nicht geben. Befürworter der Frauenweihe hoffen dennoch auf eine Zulassung von weiblichen Diakonen. Allein die Tatsache, dass der Papst eine Kommission zum Thema einsetzte, macht ihnen Hoffnung.

Bereits die Zusammensetzung der Forschungskommission zum Frauendiakonat in der Frühkirche erregte Aufsehen. Von den zwölf Mitgliedern waren sechs Frauen. So viel Gleichberechtigung sind in der katholischen Kirche die große Ausnahme. Nach Zählungen der Journalistin und Mitarbeiterin von Vatican News, Gudrun Sailer, sind im Vatikan derzeit 934 Frauen unter den 4400 Kurienmitarbeitern, mit rund 21 Prozent seien das aber soviele wie nie zuvor. In einem Aufsatz zum Thema für die April-Ausgabe der Zeitschrift Herder-Korrespondenz schreibt Sailer außerdem: „In keinem Pontifikat waren im Vatikan so viele Frauen insgesamt und so viele Frauen in Führungspositionen vertreten wie unter Franziskus.“ Der Papst aus Argentinien berief 2017 Barbara Jatta als Leiterin der Vatikanischen Museen, im vergangenen Jahr ernannte er zwei Untersekretärinnen im Dikasterium für Laien, Familie und Leben. Bereits 2015 berief Kurienkardinal Gianfranco Ravasi eine 20-köpfige Gruppe weiblicher Beraterinnen für den von ihm geleiteten päpstlichen Kulturrat ein. Seit 2016 gibt es zudem einen Verein der Frauen im Vatikan, den zwölf Papstmitarbeiterinnen selbstständig gründeten. Sailer meint, man habe im Vatikan „eine neue Bewusstseinsstufe erreicht“.

Das Thema Frauen könnte zudem an diesem Freitag um ein Kapitel bereichert werden. Dann empfängt Papst Franziskus die 850 Oberinnen katholischer Orden im Vatikan. Bei demselben Anlass vor drei Jahren sagte er die Einrichtung der Kommission zur Überprüfung der Rolle von Frauen in der Frühkirche zu.