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Wölfe sollen lammfromm werden

Wölfe sollen lammfromm werden

Paris. Können Wölfe dazu erzogen werden, dass sie keine Schafe mehr reißen? Die Regierung in Frankreich, wo sich Schafzüchter und Tierschützer seit Jahren wegen der Wölfe bekriegen, will dies zumindest versuchen. Ein "Nationaler Wolfsplan" für 2013 bis 2017 sieht ein Experiment zur "Erziehung" der rund 250 freilebenden Wölfe in Frankreich vor

Paris. Können Wölfe dazu erzogen werden, dass sie keine Schafe mehr reißen? Die Regierung in Frankreich, wo sich Schafzüchter und Tierschützer seit Jahren wegen der Wölfe bekriegen, will dies zumindest versuchen. Ein "Nationaler Wolfsplan" für 2013 bis 2017 sieht ein Experiment zur "Erziehung" der rund 250 freilebenden Wölfe in Frankreich vor.

Wildschützer sollen die Raubtiere, die beim Angriff auf eine Schafsherde ertappt werden, dem Plan zufolge einfangen und mit einem Zeichen markieren. Anschließend sollen die Wölfe wieder in Freiheit entlassen werden. Die Behörden hoffen, dass sich die scheuen Tiere dadurch richtig erschrecken - und künftig lieber Rehe, Wildschweine oder freilebende Kaninchen reißen. Besonders hartgesottene Wölfe, bei denen dies nicht klappt, dürfen jedoch zum Abschuss freigegeben werden.

Erarbeitet wurden die Vorschläge von einer "Nationalen Arbeitsgruppe Wolf", der unter anderem Abgeordnete und Regierungsvertreter angehören. Elf französische Nationalparks wollen nach Angaben von Umweltministerin Delphine Batho an dem Experiment teilnehmen. Schützenhilfe erhielt die Ministerin von der Stiftung des populären Umweltschützers Nicolas Hulot. Ähnliche Pilotprojekte in den USA seien erfolgreich gewesen, betonte ein Sprecher. "Wir sollten zumindest den Versuch wagen." Ganz anderer Ansicht ist der konservative Bürgermeister der Alpen-Gemeinde Sisteron und ehemalige Abgeordnete Daniel Spagnou: "Was für ein Theater! Was kommt denn als nächstes? Wolfsdompteure?"

Der Streit um die Wölfe, die in den 30er Jahren in Frankreich ausgestorben waren, spitzt sich zu, seit vor rund 20 Jahren einige Tiere aus Italien einwanderten. Sie breiteten sich zunächst im Mercantour-Nationalpark im Südosten Frankreichs aus, sind mittlerweile aber auch in anderen Regionen heimisch. Aus Spanien zogen Wölfe über die Pyrenäen ein. Nach Regierungsangaben ist der Bestand in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen - und damit auch der Schaden für die Schafzüchter. 2008 wurden demnach 2680 gerissene Schafe registriert, 2011 waren es 4920 und im vergangenen Jahr bereits 5848. Dafür zahlte die Pariser Regierung den Herdenbesitzern Entschädigungen in Höhe von rund zwei Millionen Euro. afp