Spanair hebt nicht mehr ab

Spanair hebt nicht mehr ab

Barcelona. Die finanziell schwer angeschlagene spanische Fluggesellschaft Spanair hat ihren Betrieb abrupt eingestellt und sämtliche Flüge gestrichen, zum Teil eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug. Spanischen Medien zufolge waren am Wochenende mindestens 22 000 Passagiere betroffen. Auf spanischen Flughäfen saßen hunderte Fluggäste fest

Barcelona. Die finanziell schwer angeschlagene spanische Fluggesellschaft Spanair hat ihren Betrieb abrupt eingestellt und sämtliche Flüge gestrichen, zum Teil eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug. Spanischen Medien zufolge waren am Wochenende mindestens 22 000 Passagiere betroffen. Auf spanischen Flughäfen saßen hunderte Fluggäste fest. Die Regierung gab die Zahl der zwischen Samstag und Montag gestrichenen Spanair-Flüge mit 647 an.Spanair ist nach Iberia, Vueling und Air Europa die viertgrößte spanische Fluggesellschaft. Sie ist Mitglied des internationalen Zusammenschlusses Star Alliance, zu dem auch die Lufthansa gehört. Spanair beschäftigt unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 1000 und 4000 Mitarbeiter. Für das Unternehmen sollte nach Medienberichten ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Beobachter gingen jedoch übereinstimmend davon aus, dass die Linie kaum zu retten sei. Die Zukunft der Beschäftigten war völlig unklar. Mitarbeiter erklärten, sie wüssten nicht einmal, ob sie ihre Januar-Gehälter noch ausgezahlt bekämen.

Das spanische Verkehrsministerium leitete zudem ein Verfahren gegen das Unternehmen ein. Spanair drohe eine Strafe von bis zu neun Millionen Euro und ein Entzug der Lizenz, teilte Verkehrsministerin Ana Pastor mit. Die Gesellschaft habe mit der vorher nicht angekündigten Einstellung des Betriebs gegen gesetzliche Verpflichtungen verstoßen und die Rechte der Passagiere missachtet.

Die frühere Tochter der skandinavischen Gesellschaft SAS gehört seit 2009 mehrheitlich einer Reihe von Konsortien, die von der Regionalregierung in Katalonien und katalanischen Unternehmen kontrolliert werden. Die Katalanen hatten gehofft, mit Spanair die Bedeutung des Flughafens von Barcelona stärken zu können. Die Regionalregierung und die Stadt Barcelona steckten nach Angaben der Zeitung "La Vanguardia" seit 2009 über 120 Millionen Euro in das Unternehmen.

Die Eigner hatten gehofft, dass Qatar Airways bei Spanair einsteigen würde. Die Verhandlungen scheiterten jedoch. Danach gab der katalanische Ministerpräsident Artur Mas bekannt, dass Barcelona als Folge Sparpolitik die Zahlungen an Spanair einstelle. afp/dpa

Auf einen Blick

Spanair, 1986 gegründet, hatte 2010 einen Verlust von 115 Millionen Euro eingeflogen, im Jahr 2009 ebenfalls ein Minus von 186 Millionen Euro verbucht. 2011 beförderte sie insgesamt 12,5 Millionen Passagiere.

Die Krise des Unternehmens hatte sich im August 2008 nach dem Absturz eines Flugzeugs auf dem Flughafen Madrid-Barajas drastisch verschärft. Eine Spanair-Maschine war kurz nach dem Start abgestürzt. 154 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 18 überlebten. 2009 wurde die Tochterfirma der skandinavischen Fluggesellschaft SAS von spanischen Aktionären, darunter die Region Katalonien, übernommen, umstrukturiert und über 1000 Mitarbeiter entlassen. afp/dpa