Modelleisenbahnen: Die Rückkehr der Hobby-Lokführer

Modelleisenbahnen : Die Rückkehr der Hobby-Lokführer

In deutschen Kellern und Kinderzimmern fahren wieder öfter Modelleisenbahnen. Die Branche erlebt eine digitale Renaissance.

Modelleisenbahnbau – ein Hobby aus längst vergangenen Zeiten? Ganz und gar nicht, sagen Branchenkenner. Im Gegenteil. Digitale Technik lasse das Interesse daran steigen. Das spüren Modellbahnclubs ebenso wie der Handel. So dürften in diesem Jahr unter vielen Christbäumen kleine Hightech-Lokomotiven stehen.

Spielzeug-Klassiker seien zu Weihnachten besonders gefragt, teilte kürzlich der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels mit. Puppen, Bausteine und Eisenbahnen. Der Modellbahnbauer Märklin in Fürth beklagte jüngst in einem Interview, mit der Produktion kaum nachzukommen, weil es ihm an Fachkräften mangelt. „Die Nachfrage ist da, aber wir tun uns schwer, Mitarbeiter für die Produktion zu finden“, hatte Eigentümer Michael Sieber gesagt.

Von einem Hobby im Aufwind spricht Michael Hübner, Vorsitzender des Modelleisenbahnclubs in Bayreuth. Die „Faszination der Eisenbahn“ stammt aus den 1950er Jahren, als ein Trafo, ein Kreis aus Gleisen und eine Lok zum Spielen genügten. Doch Mitte der 1990er, als Computerspiele die Kinderzimmer eroberten, sei das Interesse stark gesunken, sagt der 63-Jährige. „Ich dachte, die Modellbahn wird es nicht überleben.“ Doch es gibt sie noch. Ebenso sind Modelleisenbahnclubs in Deutschland weiterhin aktiv und halten das Hobby am Leben – auch im Saarland gibt es diverse Vereine.

Auch Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, schätzt die Situation der Branche optimistisch ein. Umsatzzahlen, die dies unterstrichen, lägen dem Verband zwar nicht vor. Er frage allerdings bei den einzelnen Unternehmen ab, wie sich diese für die Zukunft aufgestellt sehen, erklärt Brobeil. „Man sieht der Zukunft durchaus positiv entgegen.“ Ein Faktor sei, dass Innovationen bei realen Eisenbahnen stets auch in die Welt des Modellbaus übertragen würden. Kinder sähen den neuen ICE, den neuen Regionalzug oder den europäischen Hochgeschwindigkeitszug Thalys und fänden das spannend.

Dass die Lokomotiven, Beleuchtung oder Geräusche auf der Anlage heute via App vom Handy aus gesteuert werden können, mache es für Kinder und Jugendliche zusätzlich interessant. Auch die 40-Jährigen, die vor Jahren mit ihren Vätern oder Großvätern im Keller an der Eisenbahn geschraubt haben, fänden zu ihrem Kindheitshobby zurück, sagt Modellbahnfreund Hübner. „In dem Alter steht die berufliche Karriere, das Einkommen ist da.“

Das Geld sei beim Modellbahnbau ein wesentlicher Faktor. „Es ist kein billiges Hobby.“ 500 bis 700 Euro koste eine digitale Lok. „Da reicht das Taschengeld nicht aus.“ So vereine das Hobby heute wieder Enkel und Großväter – deren alte Eisenbahnen sich mit Dekodern nachrüsten lassen. In deutschen Modellbahnkellern wird kräftig entstaubt.

Dass dabei vor allem Jungs und Männer am Werk sind, berichtet auch Ulrich Weber. Der 64-Jährige aus Bamberg hat sein Hobby zum Beruf gemacht und handelt im Internet mit Eisenbahnen, Gleisen und Zubehör aus zweiter Hand. „Es war und ist ein Männerhobby“, sagt er. Weber findet allerdings, dass es an jungen Modellbauern mangelt. „Früher war es durchmischt – heute fehlt unten der Nachwuchs komplett.“ Woran das liegt? Auch am materiellen Überfluss, glaubt Weber. „Die jetzige Jugend ist satt auf die Welt gekommen, es wird mehr auf Masse geachtet – darunter hat die Eisenbahn enorm gelitten.“

Dennoch: Webers Geschäfte laufen gut. Der Händler kauft Eisenbahnen aller Art auf und verkauft sie weiter. Abnehmer gebe es genug, sagt er. „Weil das jetzt so schön billig ist.“ Für einen Trafo habe er in den 1980ern und 1990ern 120 D-Mark bezahlt, heute seien es 24 Euro.

Einen Generationswechsel sieht Manfred Bachmann vom Bundesverband der Modellbauer in Kaufbeuren aber durchaus. Clubs bekämen oft Nachlässe vererbt, weil Angehörige das Hobby ihres gestorbenen Großvaters nicht weiterführen möchten. Junge Leute spielten dann gern mit den aufgerüsteten Anlagen. Weil die moderne Technik recht teuer sei, verspürten die Clubs umso mehr Zulauf. Dort könnten Mitglieder an einer gemeinsamen Anlage basteln und müssten nicht alles selbst kaufen.