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Handwerker, Sportler und Mensch

Hans Cavelius
Hans Cavelius FOTO: privat
Schwalbach-Griesborn. Hans Cavelius Dieter Gräbner

Hans Cavelius, geboren am 16. April 1946 in Hostenbach, ist der Sohn von Josef Cavelius und Maria Cavelius. Er und seine ältere Schwester Josefa, Jahrgang 1934, wuchsen in Hostenbach auf. Der Vater war Maurer, die Mutter Hausfrau.

Sohn Hans besuchte in Hostenbach die Grundschule. Er absolvierte eine Lehre als Elektriker, die er 1964 mit der Gehilfenprüfung abschloss, arbeitete dann als Elektriker für einen großen Hersteller elektrischer Messgeräte in Saarbrücken. Vom 1.Januar 1967 bis 30. Juni 1968 leistete er seinen Wehrdienst als Funker ab. Danach arbeitete er bei den Stahlwerken in Bous.

Seine Ehefrau Rita, seine Söhne Joschka, Jahrgang 1974, und Sven, Jahrgang 1977, und ich sitzen im Haus der Familie Cavelius in Schwalbach-Griesborn zusammen und reden über einen Mann, der ein vielseitig begabter Handwerker, ein hilfsbereiter Mensch und auch ein erfolgreicher Sportler war. Für den KSV Hostenbach wurde er sogar Saarlandmeister im Gewichtheben. Seine Frau Rita erzählt: "Wir lernten uns im Sommer 1971 bei einem Kirmestanz in Hostenbach kennen. Er konnte nicht tanzen. Wir haben sozusagen den Steh-Blues getanzt. Wir heirateten am 16.3.1973 nur standesamtlich. Ich bin gläubige Katholikin, aber kirchlich konnten wir nicht heiraten, weil ich geschieden bin. Ich habe meinen Sohn Dirk, Jahrgang 1969, aus erster Ehe mit in die Ehe gebracht, dem mein Mann ein guter Vater war. Wir wohnten erst im Dachgeschoss des Elternhauses meines Mannes, das er ausbaute. Und er war hilfsbereit, hat geholfen, wo er konnte."

Die beiden Söhnen Joschka und Sven beschreiben Hans Cavelius als "Vater und Kumpel, der keinen Druck ausgeübt hat. Er war immer für uns da. Ohne dass er laut wurde, haben wir gewusst, wo es lang geht."

"Gab es für ihn immer nur Arbeit, keine Freizeit, kein Hobby?", frage ich. Die beiden Söhne erzählen,dass er angeln ging, später zusammen mit Angelfreunden den 20 000 Quadratmeter großen Waldweiher in Besseringen gepachtet hatte: "Er nahm uns mit, wann immer er konnte und wir Lust hatten. Im Besseringer Weiher konnte man Forellen, Karpfen und Aale angeln."

1980 kaufte er ein altes Bauernhaus in Schwalbach-Griesborn. Es musste nicht nur renoviert, sondern es mussten auch neue Leitungen für Strom und Wasser verlegt und eine Heizung installiert werden. Sohn Joschka sagt: "Er hat jahrelang in unserem Haus geschafft. Er konnte einfach alles. Nichts war ihm zu viel." "Und sonst? Immer unterwegs und auf dem Bau?" frage ich. "So war es nicht. Er arbeitete viel, das ist richtig. Er sagte, wenn es um Bauarbeiten ging: ,Ich mach das, dann spart ihr Geld.' Und das machte er dann auch", sagt Sohn Sven. Ehefrau Rita: "Wenn er zu Hause war, beschäftigte er sich mit uns. Haushalt, Kochen, die Betreuung der Kinder - das war meine Sache. Er aß gerne gut, vor allem Fleisch. Im Sommer saßen wir draußen und haben gegrillt. Wir haben Weihnachten, Ostern, die Geburtstage groß gefeiert."

2011 wurde er pensioniert. Das heißt nicht, dass er zu Hause rum saß. Er hatte beim Arbeitgeber seines Sohnes Sven einen Aushilfsjob. Sohn Sven ist Einzelhandelskaufmann und Vater von Tim, der gerade 15 Monate alt wurde. Sohn Joschka ist Computer-Experte. Sohn Sven hatte 2005 geheiratet und 2006 mit dem Bau eines Familienhauses begonnen. Und auch Sohn Joschka war inzwischen Hauseigentümer. Er hatte 2001 geheiratet, war zweifacher Vater - Sohn Niklas wurde 2002, Sohn Luca 2004 geboren - und hatte ein älteres Haus gekauft, das saniert und umgebaut werden musste. Und da war es für Opa Hans Cavelius selbstverständlich, dass er beiden Söhnen half. Aber längst hatte er auch das "arbeitsfreie Leben" entdeckt. Er ging viel spazieren, machte Wanderurlaub im Schwarzwald, traf sich mit Freunden, konnte stundenlang in seinem Garten sitzen. Aber konnte nicht ohne Arbeit sein. Er baute Vogelhäuschen, sammelte Pilze. Und er hatte ein "schnelles Hobby". Er war 50 Jahre alt, als er sich ein Motorrad kaufte, eine Yamaha 125, die er wegen der wenigen PS auch mit dem normalen Autoführerschein Klasse 3 fahren konnte.

"Und was gibt es noch zu erzählen?" frage ich. Seine Frau Rita fasst beide Hände zusammen, so als wolle sie selbst Halt suchen, sagt dann: "Am 26. August 2013 hatte er einen Schlaganfall. Er war zu Hause. Ich habe ihn gepflegt. Er war halbseitig gelähmt. Er konnte nichts mehr sagen. Doch er hat auch gekämpft. Schließlich konnte er auch wieder ,Guten Morgen' sagen und mit dem Rollator laufen. Doch dann kam der Rückschlag. Er hatte eine Lungenentzündung und einen Herzinfarkt. Ich war bei ihm. Er hatte eine Klingel. Um 22 Uhr hat er geklingelt. Als ich zu ihm kam, hat er mich angesehen. Er atmete noch zwei Mal. Dann war er tot."