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Silent Explosion Orchestra in Saarlouis
Voller Bigband-Sound mit Streichern und Top-Solisten

Saarlouis. Kevin Naßhan und sein Silent Explosion Orchestra begeisterten bei ihrem Konzert im Saarlouiser Theater am Ring. Von Sebastian Dingler

„In Bigbands zu spielen war immer ein großer Teil meines Schaffens“, sagt Kevin Naßhan nach dem fulminanten Konzert seines Silent Explosion Orchestras im Saarlouiser Theater am Ring am Sonntag. Vor dreieinhalb Jahren fand sich die Formation zusammen. Zur ersten CD, die kürzlich vom Saarländischen Rundfunk produziert wurde, kamen noch fünf Streicher dazu. „Ich steh’ halt total auf Streicher, das war ein ganz großer Traum“, freut sich Naßhan darüber, dass die fünf Musiker des Staatstheaters, darunter dessen Erster Konzertmeister Wolfgang Mertes, auch bei der CD-Präsentation zugegen waren.


Ebenfalls an der CD mitgewirkt hatten zwei saarländische Jazz-Koryphäen, Saxofonist Johannes Müller und Posaunist Philipp Schug. Die beiden kamen in Saarlouis ebenso auf die Bühne wie Svenja Hinzmann und Andreas Braun (beide Gesang), die fest zum Silent Explosion Orchestra zählen. Neben diesen namhaften Solisten machten auch die Bandmitglieder Sebastian Degen (Saxofon) und Niklas Müller (Trompete) positiv auf sich aufmerksam. Allein dass ein junger Musiker wie Naßhan so ein Aufgebot zusammenbekommt, ist schon aller Ehren wert. Dass dann aber auch in Sachen Spielfreude, Abwechslung, Klangfarben und Genauigkeit keine Wünsche übrig blieben, war trotz der bekannten Namen nicht unbedingt zu erwarten.

Klassische Swingnummern wie „A Night in Tunesia“ (in einer sehr groovigen Version) wechselten sich mit Popsongs der Beatles, von Sting und Stevie Wonder ab. Die Eigenkompositionen von Naßhan, Müller oder Schug fielen dagegen kein bisschen ab  – häufig enthielten sie Elemente aus Funk und Soul wie mitreißende Basslinien und zackige Bläsereinwürfe. Durch die Hinzunahme der Streichinstrumente erinnerte manches gar an Titelsongs von amerikanischen TV-Serien der Siebziger. Herausragend: Naßhans Jazzballade „Rainfall“, die mit einem Schlagzeug-Solo der besonderen Art beginnt, das das eingespielte Regengeräusch akustisch aufnimmt und weiterentwickelt. Mit traumwandlerischer Sicherheit bediente der Bandleader anschließend seine Becken und zählte nebenbei noch das Streicherquintett an.



Auch als Moderator bewies Naßhan Souveränität und Selbstvertrauen wie ein alter Hase. Der ist er noch lange nicht, denn am Sonntag feierte Naßhan seinen 26. Geburtstag. Andreas Braun hatte das Geheimnis verraten. „So viele Leute waren noch nie bei meinem Geburtstag“, meinte der junge Bandleader daraufhin, der an jenem Abend vielleicht auch seine Geburtsstunde als neuer Stern am saarländischen Jazzhimmel erlebte.