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Große Bühne für die kleine Mundharmonika

Brüssel. Gitarre, Klavier, Bass, Schlagzeug sind die Klassiker im Jazz. Toots Thielemans schaffte es als einer der Wenigen mit der Mundharmonika an die Spitze. Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben. dpa-Mitarbeiterin Verena Schmitt-Roschmann

Eine dicke Hornbrille und ein Schnauzbart, die Hände fest geschlossen um die Mundharmonika, eine wehmütige Melodie zu leiser Bluesbegleitung - so machte der Belgier Toots Thielemans fast 70 Jahre im Jazz Furore. Mit Größen wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald und Pat Metheny stand er auf der Bühne. Nun ist er gestorben, im Alter von 94 Jahren.


Belgien verliert einen seiner größten und bekanntesten Musiker. Den Grundstein zu seiner einzigartigen Karriere legte Thielemans wohl schon mit drei Jahren, als er begann, Akkordeon zu lernen. Später spielte er auch Gitarre und wurde bekannt für sein konzertantes Pfeifen. Sein Markenzeichen aber fand der Belgier in dem Instrument, das im Jazz bis dahin fast keine Rolle spielte und das auch er erstmal nur als Hobby zur Hand nahm: eben jene säuselnde, leicht zittrige Mundharmonika, die er in den großen Jazz-Combos hoffähig machte. "Die Mundharmonika hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt", sagte der Belgier einmal.

Geboren wurde er am 29. April 1922 in Brüssel als Jean-Baptiste Thielemans. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg infizierte er sich "mit dem Jazz-Virus", wie er es beschrieb. Seine größten Idole waren Django Reinhardt und Charlie Parker, seine erste Chance auf das Rampenlicht gab ihm Benny Goodman bei seiner Europatour 1950. Seinen Spitznamen entlehnte Thielemans von seinen Vorbildern Toots Mondello und Toots Camerata.



1952 siedelte er in die USA über und spielte mit den Charlie Parker All Stars und dem George Shearing Quintett. 1962 gelang ihm die Komposition "Bluesette", die zum Klassiker avancierte. Auch seine Mitwirkung an Soundtracks zu Filmklassikern wie "Midnight Cowboy" oder "The Getaway" machten ihn berühmt, ebenso wie sein Solo im Abspann der amerikanischen Serie "Sesamstraße". Er wurde mit Ehrungen überhäuft, 2001 ernannte ihn der damalige König Albert II. zum Baron.

2014 verabschiedete sich der damals 91-Jährige mit Hinweis auf seine schwächelnde Gesundheit von der Bühne, auch wenn das nach ihm benannte "Toots Festival" ihn weiter in Erinnerung hielt. Nach einem Sturz war er nach Angaben seiner Managerin Veerle Van de Poel seit einem Monat im Krankenhaus. "Es gab keine Komplikationen", sagte sie gestern der Nachrichtenagentur Belga. "Er ist an Altersschwäche gestorben - sein Körper war einfach erschöpft."