| 20:02 Uhr

Hauptverdächtiger verhaftet
Fortschritt im Saar-Korruptions-Skandal

Bei Baumaßnahmen der Dillinger Hütte soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Welche Bereiche der Hütte genau betroffen sind, ist nicht bekannt.
Bei Baumaßnahmen der Dillinger Hütte soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Welche Bereiche der Hütte genau betroffen sind, ist nicht bekannt. FOTO: dpa / Katja Sponholz
Dillingen. Wegen der Bestechungs-Vorwürfe bei Baumaßnahmen der Dillinger Hütte ist jetzt ein Hauptverdächtiger verhaftet worden. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Die Ermittlungen wegen eines Korruptionsskandals in der saarländischen Stahlindustrie laufen zwar schon seit mehr als sechs Jahren. Doch jetzt hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Seit kurzem sitzt der Hauptverdächtige in spanischer Untersuchungshaft. Es handelt sich um den Baron von S., dem die spanische Polizei in seiner Finca auf Mallorca vor wenigen Tagen die Handschellen angelegt hat. Er sei „auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls festgenommen worden“, teilte Mario Krah, Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft, auf Anfrage mit. Haftgründe seien Flucht- und Verdunklungsgefahr. Wann der 66-Jährige, der seinen Haupt-Wohnsitz in Forbach hat, nach Deutschland überstellt wird, ist noch offen. „Das müssen die spanischen Behörden entscheiden.“


Mit der Verhaftung ging eine Großrazzia einher, die sich auf „Wohnhäuser und Geschäftsanschriften der mit den Beschuldigten S. verbundenen Unternehmen erstreckte“, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter mit. Mehr als 100 Ermittler aus dem Saarland, aus Luxemburg, Frankreich und Spanien seien daran beteiligt gewesen.

Seit dem Jahr 2012 hat es bereits drei große Durchsuchungen gegeben, wobei die Fahnder auch Büros der Dillinger Hütte systematisch nach verdächtigen Unterlagen durchkämmten. Die letzte fand im Mai vergangenen Jahres statt.



Die Vorwürfe sind seit sechs Jahren die gleichen. Es geht um „Bestechlichkeit und Bestechung im Geschäftsverkehr“, so die Staatsanwaltschaft. Will heißen, Mitarbeiter der Dillinger Hütte sollen von Bauunternehmern Schmiergelder angenommen haben. Außerdem ist von kostenlosen Urlaubsaufenthalten auf Mallorca und in den Vogesen die Rede. Als Gegenleistung sollen sie den Baufirmen millionenschwere Aufträge zugeschoben haben. Neben dem Hauptangeklagten wird noch gegen drei ehemalige Mitarbeiter der Dillinger Hütte sowie gegen den „Verantwortlichen eines Bauunternehmens“ ermittelt.

Seit der Razzia im Mai vergangenen Jahres ist auch das Bundeskartellamt mit von der Partie. Die Bonner Behörde rückte seinerzeit mit zwölf Mitarbeiter an – unterstützt vom Korruptionsdezernat der saarländischen Kriminalpolizei. Die Kartellwächter wollen wissen, ob es Preisabsprachen bei der Vergabe von Industrie-Aufträgen gegeben hat. Dieses Verfahren laufe noch, sagt ein Sprecher. Wann es abgeschlossen sein werde, könne noch nicht gesagt werden. Über die jüngste Aktion, die mit der Festnahme des Hauptverdächtigen ihren Höhepunkt erreichte, seien die Kartellwächter informiert worden. Allerdings seien sie nicht selbst daran beteiligt gewesen. Es gebe aber eine enge Zusammenarbeit mit der Saarbrücker Staatsanwaltschaft. Offenbar war das im Mai 2017 sichergestellte Material aus Sicht der Ermittler so werthaltig, dass der Tatverdacht gegen S. als „dringend“ eingestuft wurde, was am Ende wohl zur Verhaftung führte.

Wann die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, ist noch offen. Allerdings „gebietet der Vollzug der Untersuchungshaft eine beschleunigte Aufarbeitung“, erinnert Krah. Auf der anderen Seite müssten „jetzt die infolge der aktuellen Maßnahmen neu gewonnenen Beweismittel ausgewertet werden“. Zudem seien Justizbehörden anderer Staaten beteiligt. Daher müsse „auch deren Entscheidung abgewartet werden“.

Die Dillinger Hütte will sich zu den jüngsten Entwicklungen im Korruptionsskandal nicht äußern. „Das ist ein laufendes Verfahren“, begründet eine Sprecherin die Zurückhaltung. Allerdings würden die Ermittlungen aktiv unterstützt. Die betroffenen Mitarbeiter seien schon länger nicht mehr in dem Unternehmen beschäftigt. Nicht bekannt ist zudem, bei welchen Baumaßnahmen Schmiergeld geflossen sein soll. Hier hüllen sich alle Beteiligten in Schweigen.