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Dillingen: Dillinger Hütte sieht sich wieder im Aufwind

Dillingen : Dillinger Hütte sieht sich wieder im Aufwind

Vorstandssprecher Metzken verweist bei der Jubilarehrung auf Erfolge bei Kostensenkungen und eine leichte Erholung des Marktes.

Nein, er hat nicht lange überlegen müssen. „Die Hütt“, das war schon 1972 für Otmar Schellenbach (60) aus Gerlfangen die richtige Entscheidung. Werkeln und etwas herstellen: genau sein Ding. Mit 15 beginnt er die Ausbildung, hat zunächst auch etwas Angst: Was wird da wohl auf einen zukommen? 90 Leute sind mit ihm in der Lehrwerkstatt, doch die Kameradschaft stimmt, wie sich der am Samstag für 45 jährige Betriebszugehörigkeit geehrte Beschäftigte erinnert. Einer von 274 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die am Samstagabend bei der Jubilarehrung für jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet wurden.

Und Schellenbach sagt auch das: „Krisen gab es immer schon, doch danach ging es auch immer wieder aufwärts.“ Bis 2002 arbeitet er in der Rohrwerkstatt, wird dann freigestellter Betriebsrat und kümmert sich später, nach einer längeren Krankheit, bis heute um den Arbeitsschutz auf der Hütt. Die Dillinger Hütte sei nach wie vor eine allererste Adresse für modernste Technologie und neue Produkte. Und als gelte es, dies zu untermauern, fügt Schellenbach hinzu: „Mein Sohn arbeitet auch schon hier.“

Fred Metzken, Vorstandssprecher der Dillinger Hütte hebt auch selbst die Chancen junger Menschen in diesem Unternehmen hervor. „Ich kann heute jedem einen Beruf in der Stahlindustrie empfehlen. Stahl wird immer gebraucht werden. Ich selbst lege großen Wert darauf, dass sich junge Leute, die zu uns kommen, früh mit eigenen Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen können.“ Die Digitalisierung mit modernsten Produktionsabläufe im Zeitalter von Industrie 4.0 seien im Unternehmen längst gelebte Realität.

Auch die weitere Entwicklung  der Dillinger Hütte sieht Vorstandssprecher Metzken wieder etwas positiver. Nach Millionenverlusten noch im vergangenen Geschäftsjahr entwickele sich der Markt für die Stahlprodukte aus dem Saarland wieder besser. Deshalb geht Metzken davon aus, dass im laufenden Geschäftsjahr wieder eine schwarze Null in der Bilanz erreicht werden kann, sagte er während der Jubilarehrung zu unserer Zeitung. Seine Einschätzung begründet er auch mit der Entwicklung in der Produktion. Demnach stieg die Menge der hergestellten Grobbleche wieder auf zwei Millionen Tonnen an. Gleichzeitig sei es gelungen, gestiegene Rohstoffpreise durch gestiegene Umsatzerlöse „mehr als aufzufangen“, so Metzken. Alle, auch mit dem Betriebsrat unterzeichneten, Maßnahmen zur Absicherung des Standortes Dillingen seien auf gutem Weg. „So haben wir im Rahmen des Programms Dillinger 2020 bereits Kosteneinsparpotenziale in einer Höhe von über 40 Millionen Euro identifiziert.“ Ein Grund zu mehr Optimismus sei auch, dass die gegen China verhängten Strafzölle durch die EU mittlerweile Wirkung zeigten. Es sei zu beobachten, dass die Strategie der Chinesen, mit riesigen Mengen Billigstahl zu Dumpingpreisen die Weltmärkte zu überschwemmen, so nicht mehr aufgehe. Dennoch belasteten immer noch massive Überkapazitäten den Stahl- und Grobblechmarkt in der EU und weltweit. Grobblech, eine der Spezialitäten aus Dillingen, gehöre mittlerweile zu den Stahlprodukten mit eher schwächeren Erlösen, während zum Beispiel Draht, der bei Saarstahl produziert wird, jetzt höhere Preise als Grobblech erzielt. Das war noch nie da“, sagt Metzken. Zudem bleibe der Markt für Grobbleche schwierig und schwankend, weil die Dillinger Hütte in diesem Bereich besonders stark von Projekten abhängig sei. Inzwischen könne man aber beobachten, dass die Rohstoffpreise wieder massiv angestiegen sind.

 Otmar Schellenbach ist 45 Jahre bei der Dillinger Hütte.
Otmar Schellenbach ist 45 Jahre bei der Dillinger Hütte. Foto: Ruppenthal

Damit sind die Probleme für die Dillinger Hütte aber noch längst nicht gelöst. Die EU-Kommission in Brüssel habe immer noch nicht entschieden, wie es mit dem Emissionsrechtehandel nach 2021 weitergeht. Die deutsche Stahlindustrie brauche auch längerfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Deshalb appelliert Metzken auch an die neue Bundesregierung, sich für die Interessen der Stahlarbeiter sowie die Zukunft ihrer Arbeitsplätze in Brüssel einzusetzen. Metzken selbst sagt von sich, ihm mache von all seinen Tätigkeiten als Vorstandssprecher die Jubilarehrung am meisten Freude. „Ich finde, dass Jubilarehrungen für die Mitarbeiter etwas Besonderes sind. Die strahlen, wenn sie auf die Bühne kommen. Für die einen ist es das Highlight des Jahres, für manch einen vielleicht sogar das Highlight seines Lebens.“ 247 Jubilare wurden geehrt. Einer ist schon 50 Jahre dabei, 51 bereits 45 Jahre, 119 schon 35 Jahre und 103 bereits 25 Jahre. Die jeweilige Partnerin, die mit auf die Bühne kam, durfte sich über einen Blumenstrauß freuen.