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Wirtschaft
Dillinger Hütte schafft die Kehrtwende

Das Weltrekordblech von Dillinger, ein Exemplar liegt auf dem Gründerplatz der Dillinger Hütte: Es wiegt gut 50 Tonnen, ist 70 Millimeter dick und misst vier mal 22 Meter.
Das Weltrekordblech von Dillinger, ein Exemplar liegt auf dem Gründerplatz der Dillinger Hütte: Es wiegt gut 50 Tonnen, ist 70 Millimeter dick und misst vier mal 22 Meter. FOTO: Dillinger
Dillingen. Mehr Mengen und mehr Erlöse in 2017 trotz schwieriger Marktlage – Personalabbau und Sparpläne gehen weiter Von Nicole Bastong

Deutliche Gewinne hat die Dillinger Hütte im vergangenen Jahr eingefahren. „Dillinger hat sich 2017 in einem weiterhin schwierigen Marktumfeld gut geschlagen“, erklärte gestern der Vorstandssprecher Fred Metzken bei der Bilanzpressekonferenz im Gästehaus.


Größere Mengen und über 20 Prozent mehr Umsatz, eine gute Auslastung der Werke, bessere Marktpräsenz, ein Absatzanstieg auf zwei Millionen Tonnen – das sind die Kennzeichen eines endlich wieder besseren Geschäftsjahres 2017 für Dillinger. Aber dazu gehören auch: Weiterer Personalabbau und Sparmaßnahmen, ein weiterhin schwieriger und unsicherer Markt mit hohem Konkurrenzdruck, betonte Metzken, und „gestiegene Materialkosten, die nicht in voller Höhe im Preis an die Kunden weitergegeben werden können“.

Insgesamt sei es eine Entwicklung, die zwar nicht an die „fantastischen Zeiten“ von vor zehn Jahren heranreichen könne, aber Metzken zufrieden stimmt. Im 333. Jahr ihres Bestehens habe die Hütte eine Kehrtwende geschafft, betonte Metzken, „das ist auch der Verdienst unserer Mitarbeiter, die alle die intensiven Veränderungen mittragen“.



Am Sparplan „Dillinger 2010“ hält das Unternehmen fest. So ist die Belegschaft wie geplant kleiner geworden: Erstmals beschäftigte Dillinger unter 5000 Mitarbeiter. Genau 4932 Männer und Frauen waren es am Jahresende bei Dillinger selbst, in der Zentralkokerei Saar und bei der ROGESA Roheisengesellschaft Saar. In den kommenden zwei Jahren sollen weitere 230 Arbeitsplätze abgebaut werden, „ohne betriebsbedingte Kündigungen“, wie Arbeitsdirektor Peter Schweda unterstrich.

Gleichzeitig bildet Dillinger immer mehr junge Menschen aus: 241 Azubis, deutlich mehr als in den Vorjahren, lernen in rund einem Dutzend Berufen im Unternehmen. „Dillinger bleibt ein attraktiver Arbeitgeber“, stellte Schweda fest, „789 Bewerber hatten wir auf 70 Ausbildungsplätze, wir können also immer noch auswählen.“

Die Zahl der Praktikanten, die länger als sechs Monate bleiben, wurde hingegen aus Spargründen weiter zurückgefahren: auf 134 im vergangenen Jahr, 2014 waren es noch über 200 gewesen.

Das Unternehmen biete „eine vernünftige Ausbildung“, betonte Schweda, „und wir brauchen die jungen Leute trotz Abbau.“ Wenn Leistung und Arbeitshaltung passten, könnten nach wie vor alle Azubis übernommen werden. Einen Notendurchschnitt von 2,47 konnten die Nachwuchskräfte 2017 vorweisen, dazu erreichten drei Azubis von Dillinger die besten Ergebnisse landesweit.

Gute Nachrichten gab es auch zum Thema Arbeitssicherheit. Hier habe die Belegschaft ein „sensationelles Ergebnis“, das sich aus dem gemeinsamen Handeln ergeben habe, eingefahren, lobte Arbeitsdirektor Schweda: In den vergangenen Jahren hatte es immer weniger Unfälle im Arbeitsumfeld gegeben, 2017 war mit nur 21 Unfällen ein neuer Tiefstand erreicht.

Den eigenen Weltrekord nochmal getoppt hat Dillinger mit der Stranggießanlage CC6: 600 Millimeter dick kann die Bramme nun werden. Dillingers Weltrekordblech mit den Maßen 70 Millimeter mal vier Meter mal 22 Meter und einem Gewicht von rund 50 Tonnen ist zudem der Stolz von Bernd Münnich, Vorstand Technik, und ein Alleinstellungsmerkmal: „Es hilft uns, kostengünstiger zu produzieren.“ Eine Weltneuheit ist außerdem die „Eddy Current Anlage ECP 1“, eine Prüfanlage, die Verhärtungen im Blech erkennt, die dann ausgebessert werden können. Seit Januar läuft die neue Anlage in Dillingen, im französischen Werk Dünkirchen soll bis 2019 eine weitere installiert werden.

„Es hat sich vieles zum Positiven gewendet, aber eine echte Entwarnung kann es auf dem Grobblechmarkt nicht geben“, fasste Günter Luxenburger, Vorstand Vertrieb, zusammen. Trotz der schwierigen Marktlage konnte Dillinger sowohl Mengen als auch Erlöse steigern, auch dank einer besseren Nachfrage nach den hochwertigen Spezialprodukten aus Dillingen.

Der Erfolg der Hütte strahlt auch weiterhin in die Region aus: Ein stabiles Auftragsvolumen von 258 Millionen Euro konnte Dillinger an andere saarländische Unternehmen vergeben. Auch 2018 erwartet Metzken eine gute Nachfrage aus den Bereichen Maschinenbau, Stahlbau und Baumaschinen.

Bei der Grobblechherstellung liegt Dillinger in Europa weit vorne. Besucher bestaunen die Anlagen bei der Langen Nacht der Industrie.
Bei der Grobblechherstellung liegt Dillinger in Europa weit vorne. Besucher bestaunen die Anlagen bei der Langen Nacht der Industrie. FOTO: rup / Rolf Ruppenthal