Umgeben von alten Mauern

Umgeben von alten Mauern

Die Stadt York liegt im Norden von England mitten in der Grafschaft Yorkshire. Hinter den mittelalterlichen Stadtmauern können Touristen eine Welt entdecken, die Geschichte und Moderne miteinander verbindet.

Am oberen Ende der Straße Goodramgate, in der nette Lädchen den Gehweg säumen, erhebt sich massiv und festungsgleich Monk Bar, eines der Haupttore in Yorks Stadtmauer. Stein türmt sich auf Stein zu einem viergeschossigen Turm, wobei neben der Tordurchfahrt eine offene Tür wie ein dunkler Schlund im Gemäuer sitzt. Dahinter Stufen, schmal, steil und düster, die in den Leib des Torhauses führen. Es ist der Eingang in ein kleines Museum, das sich Englands berüchtigtem König Richard III. und seiner Verstrickung in das Verschwinden des jungen Edwards V. widmet. Und zugleich ist es der Zutritt auf die Stadtmauer der nordenglischen Metropole, geöffnet zwischen Morgen- und Abenddämmerung, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Was die Länge dieses mittelalterlichen Befestigungswalls angeht - da soll kein anderer Ort in England York das Wasser reichen können. Trotz einiger Lücken im Verlauf haben 3,4 Kilometer die Jahrhunderte überdauert. Gleich an mehreren Stellen kann die Mauer für eine außergewöhnliche Umrundung des Stadtzentrums erklommen werden. "Wobei einer der schönsten Abschnitte sicher zwischen Monk und Bootham Bar liegt", verrät die Touristenführerin Kay Hyde. Ein schmaler Pfad balanciert da in beachtlicher Höhe, begrenzt von Mauerzinnen und schützendem Geländer, und lässt intime Einblicke zu: in schlichte Höfe ebenso wie in weitläufige Gärten, die sich hinter Yorks berühmter Kathedrale aneinanderreihen.

Am Stadttor Bootham Bar macht sich die High Petergate als verkehrsberuhigtes Sträßlein in das historische Herz der City auf. Diese spannt ihr Netz mittelalterlicher Gassen in einem planlosen Durcheinander zwischen den Stadtmauern auf - vorbei am York Minster, jenem Prachtstück gotischer Kirchenbaukunst, das mit riesigen Ausmaßen seine Ecke der Altstadt dominiert, und hinein in das lebhafte Treiben, das diesseits und jenseits des Flusses Ouse herrscht.

Am besten steckt man seinen Stadtplan wieder in die Tasche und lässt sich einfach treiben. Stromert durch Straßen wie Low Petergate oder Stonegate, wo sich zwischen Restaurants, Cafés und Pubs die Geschäfte bekannter Ketten ebenso finden wie Läden, die Designerstücke, Bücher, Schmuck oder Geschenke an den Mann bringen. In der Gunst der Touristen ganz oben steht The Shambles, die einstige Straße der Metzger, in der heute noch breite Fensterbänke an Zeiten erinnern, als Fleischteile am offenen Fenster angeboten wurden, und sich die Menschen in der Enge einer von Abfällen übersäten Gasse drängten. Fast schon an ein Freilichtmuseum erinnern diese Straßen, die Architektur aus mehreren Epochen begleitet: schlichte und opulente Häuser, dazwischen altes Fachwerk.

Nicht ganz so betagt, aber ebenso sehenswert ist eine Yorker Institution, die seit Generationen am St. Helen's Square gastiert: Bettys. Begeistert von der Eleganz der "Queen Mary", deren Jungfernfahrt er 1936 miterlebte, verwandelte der Schweizer Konditor Frederick Belmont hier ein baufälliges Möbellager in ein kultiviertes Café, indem er den Art-déco-Stil des Luxusliners imitierte. Jeder kennt Bettys. Entsprechend groß ist der Andrang. Vor der Tür wird Schlange gestanden, ganz gesittet, ohne zu drängeln. Und in der Erwartung auf eine kulinarische Pause, bei der Sandwich und Wurst nach Yorkshire-Art Tee und Süßem vom Cake Trolley, dem Kuchenwagen, Konkurrenz machen.

Zum Thema:

Auf einen BlickAnreise: Flüge mit Lufthansa ab Frankfurt nach Manchester. Dieser Flughafen ist direkt mit York verbunden. Außerdem ist York vom Flughafen Leeds mit vielen Billigflugangeboten zu erreichen. Weitere Infos gibt es beim York Visitor Information Centre unter Telefon: (00 44) 19 04 55 00 99. redvisityork.org

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