Überlebenskünstler: Algen überstehen Weltraumausflug

Überlebenskünstler: Algen überstehen Weltraumausflug

(np) Tödliche Strahlung, Vakuum und lebensfeindliche Temperaturen. Eigentlich sollte der Weltraum für irdische Organismen eine Todeszone sein. Dass dem nicht so ist, haben vor Kurzem Biologen der Universität Stuttgart bei sogenannten Bärtierchen gezeigt. Viele dieser nur einen Millimeter großen achtbeinigen Lebewesen überstanden einen Weltraumausflug in verblüffend guter Form.

Nun berichten Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft von ähnlich robusten Vertretern aus dem Pflanzenreich. Sie untersuchten auf der Raumstation ISS, wie Algen auf Weltraum-Bedingungen reagieren. Während die Bärtierchen zehn Tage im Weltraum verbrachten, waren die Algen 16 Monate an der Außenseite der ISS Weltraumbedingungen ausgesetzt, berichtet Thomas Leya vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Potsdam.

Dabei hätten sich eine Blaualge aus der Antarktis, das Cyanobakterium Nostoc sp., und eine Grünalge aus Spitzbergen (Sphaerocystis sp.) als besonders hart im Nehmen entpuppt. Im Fokus der Forscher, so das Fraunhofer-Institut, stand die Frage, wie die Algen auf harte UV-Strahlung reagieren. Überraschend sei gewesen, dass auch ein Teil der extrem schädlichen UV-C-Strahlung - sie erreicht den Erdboden nicht, weil sie von der Atmosphäre gefiltert wird - den Algenstämmen nicht geschadet habe, erklärte Leya.

Es sei immer wieder frappierend zu sehen, wie viele Organismen die lebensfeindlichen Bedingungen im Weltall ertragen können, erklärt auch Jean-Pierre de Vera vom vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der das Projekt Biomex (Biology and Mars Experiment) koordiniert. Hier werden über 250 Bakterien, Flechten, Moose und Pilze auf ihre Weltraumtauglichkeit untersucht. Sollten Menschen eines Tages den Mars besiedeln, wäre die Produktion von Nahrungsmitteln eine der wichtigsten Aufgaben, erklärt die Fraunhofer-Gesellschaft. Deshalb werden Algen untersucht, die in der Lage sein könnten, Sauerstoff und Proteine zu produzieren.

Mehr von Saarbrücker Zeitung