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Überlebenskünstler: Bärtierchen im Weltraum

Überlebenskünstler: Bärtierchen im Weltraum

Die nur knapp einen Millimeter großen Lebewesen halten starker Strahlung und großer Kälte im Vakuum stand.

(np) Für Biologen zählen die Bärtierchen zu den geheimen Stars des Tierreichs. Ihren Namen verdanken die weniger als einen Millimeter großen achtbeinigen Lebewesen ihrer tapsigen Fortbewegungsweise, die an einen Bären erinnert. Auch ihr wissenschaftlicher Name Tardigradus (vom lateinischen "tardus", langsam und "gradus", Schritt) ist davon abgeleitet.

Für die Wissenschaft sind die Bärtierchen interessante Forschungsobjekte, weil sie die einzigartige Fähigkeit besitzen, unwirtlichste Umweltbedingungen zu überleben. Bärtierchen überstehen zum Beispiel tödliche Strahlung und Kälte. Ihr Stoffwechsel erlischt unter diesen Umständen. Doch obwohl in dieser sogenannten Kryptobiose kein Lebenszeichen nachweisbar ist, sind sie nicht tot. Wenn sich die Umweltbedingungen bessern, kehren viele der Tiere binnen einer halben Stunde ins Leben zurück. Forscher der Uni Stuttgart, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und aus Schweden haben nun untersucht, wie diese Tiere auf Weltraumbedingungen reagieren.

Die Ergebnisse seien verblüffend, so die Uni Stuttgart. Die Reparaturmechanismen in ihren Zellen arbeiteten so effektiv, dass Bärtierchen nicht nur Vakuum und Strahlung überlebten. Auch ihre Nachfahren entwickelten sich normal. Die Bärtierchen, deren Nachkommen die Forscher um Professor Ralph Schill von der Uni Stuttgart untersuchten, flogen 2007 ins All. Selbst unter den Exemplaren, die einer für andere Lebewesen tödlichen Strahlung völlig schutzlos ausgesetzt waren, hätten zwei Prozent überlebt.

Noch wichtiger sei jedoch das neueste Ergebnis einer Langzeituntersuchung an den Nachfahren dieser Raumfahrer. Selbst nach mehreren Generationen seien sie gesund. Die überlebenden Bärtierchen der Weltraummission seien offenbar in der Lage gewesen, Zellschäden, die der Weltraum ausflug zur Folge hatte, so effizient zu reparieren, dass sich alle folgenden Generationen normal entwickeln konnten.