Wimbledon: Brown bekommt sein Duell mit Murray

Wimbledon : Brown bekommt sein Duell mit Murray

Der Tennis-Artist fordert in der zweiten Runde von Wimbledon die Nummer eins der Welt.

() Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheitsträume steht bevor. Dennoch genoss Dustin Brown in Wimbledon zunächst seinen hart erkämpften Auftaktsieg. Gegen den Portugiesen Joao Sousa hatte der Deutsch-Jamaikaner bereits 3:6, 3:5 zurückgelegen, es drohte das schnelle Aus bei seinem Lieblings-Grand-Slam. Mit mutigem Angriffstennis und etwas Glück drehte Brown jedoch die Partie, gewann 3:6, 7:6 (7:5), 6:4, 6:4 und darf sich nun auf ein Duell mit Titelverteidiger Andy Murray freuen.

Das Match am morgigen Mittwoch wird aller Voraussicht nach auf dem Centre Court stattfinden – dem legendären Platz, den Boris Becker einst als sein Wohnzimmer bezeichnet hatte und auf dem Brown vor zwei Jahren seine persönliche Sternstunde erlebte. Damals bezwang er den spanischen Superstar Rafael Nadal und avancierte mit seiner spektakulären Spielweise zum Liebling im All England Club. „Schon damals habe ich gesagt: Das sind Dinge, von denen man als Kind geträumt hat“, sagte Brown.

Der 32-Jährige aus Winsen zog als erster der 17 deutschen Tennisprofis im Südwesten Londons in die zweite Runde ein. Es folgte ihm Routinier Florian Mayer (Bayreuth), der von der Aufgabe des Serben Viktor Troicki profitierte. Ebenfalls weiter ist Qualifikant Peter Gojowczyk (München), der gegen Marius Copil aus Rumänien mit 7:6 (7:5), 2:6, 6:3, 6:1 sein erstes Grand-Slam-Match seit fast drei Jahren gewann. Philipp Kohlschreiber zog dagegen erwartungsgemäß gegen Marin Cilic den Kürzeren. Der frühere US-Open-Champion aus Kroatien trifft nach dem 6:4, 6:2, 6:3 auf Mayer. Eine grandiose Aufholjagd bescherte Carina Witthöft (Hamburg) den Sieg, die Weltranglisten-65. lag gegen Mirjana Lucic-Baroni (Kroatien/Nr. 26) im dritten Durchgang bereits 0:5 in Rückstand, ehe sie mit 6:3, 5:7, 8:6 gewann. Die seit Monaten formschwache Darmstädterin Andrea Petkovic lieferte der WTA-Weltmeisterin Dominika Cibulkova (Slowakei/Nr. 8) einen großen Kampf, musste sich aber nach 2:43 Stunden mit 3:6, 6:3, 7:9 geschlagen geben.

Die Weltranglistenerste Angelique Kerber (Kiel) und Jungstar Alexander Zverev (Hamburg) greifen erst heute ins Geschehen ein. Dann wird sich Brown bereits intensiv mit der zweiten Runde befassen. Allerdings wird er seine Taktik gegen Lokalmatador Murray kaum ändern. „Es wird ein ähnliches Match wie damals gegen Rafa“, sagte Brown: „Ich versuche, mir nicht zu viele Sorgen zu machen. Es ist eine Ehre, gegen ihn zu spielen. Ich hoffe, niemand buht mich aus.“

Das wird kaum passieren, immerhin steht Brown für all das, was die Fans in Wimbledon lieben. Der Weltranglisten-97. greift kompromisslos an, liegt bei Volleys manchmal quer in der Luft und zeigt Emotionen. „Das ist meine Art, Tennis zu spielen. Wenn die Leute sie mögen, dann ist es natürlich eine schöne Sache, aber daran denke ich nicht, wenn ich auf den Platz gehe“, sagte Brown. Murray lobte ihn als „großartigen Athleten, bei dem es viel Spaß macht, zuzuschauen“.

Browns Ziel ist es, den Schotten „aus seiner Komfortzone zu holen“ und ihm den Spaß zu verderben. Immerhin war Murray zuletzt angeschlagen. Beim 6:1, 6:4, 6:2 gegen den Kasachen Alexander Bublik war von seinen Hüftproblemen jedoch wenig zu sehen. „Anscheinend ist es nicht so schlimm“, sagte Brown. Das konnte auch Herzogin Catherine bestätigen, die gestern ohne ihren Gatten William den All England Club besuchte und aus der Royal Box ihrem Lieblingsspieler die Daumen drückte. Gegen Brown muss Murray allerdings auf die königliche Unterstützung verzichten.

Eine Schrecksekunde musste Alexander Zverev überstehen. Beim Training am Morgen mit dem Japaner Kei Nishikori spielte der große deutsche Wimbledon-Hoffnungsträger gerade den letzten Ball, als er aufs Knie fiel und sich „ein bisschen weh“ tat, wie er später verriet. Doch schon kurz nach der Übungseinheit im Aorangi Park auf der weitläufigen Anlage im Südwesten Londons stellte der vielversprechendste deutsche Tennisprofi seit der Ära Becker/Stich klar: „Das ist nichts Schlimmes. Für Dienstag werde ich auch schon wieder bereit sein.“ Zverev trifft auf den Russen Jewgeni Donskoi. Potenzieller Drittrunden-Gegner wäre der Amerikaner Jack Sock, in der Runde der besten 16 könnte Wimbledon-Vorjahresfinalist Milos Raonic aus Kanada warten. Aber dafür muss die Leistung stimmen – und Zverevs Knie halten.

Mehr von Saarbrücker Zeitung