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| 20:08 Uhr

Zerstörer von Weltkulturerbe auf der Anklagebank

Den Haag. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag eröffnet das erste Verfahren wegen der Zerstörung von Kulturerbe. Angeklagt ist ein mutmaßlicher Islamist aus Mali, der 2012 in der Wüstenstadt Timbuktu jahrhundertealte Gebäude vernichtete. Agentur

Mit Spitzhacken, Stahlstangen und Vorschlaghämmern zogen sie durch Timbuktu. Sie begannen, auf Grabmäler einzuhacken und Mauern zu zerschlagen. Am Ende blieben nicht viel mehr als Steinhaufen übrig. In weniger als zwei Wochen waren zehn der bedeutendsten Gebäude der Wüstenstadt im Zentrum des westafrikanischen Landes Mali zerstört.

Von heute an steht der mutmaßliche Täter in Den Haag vor Gericht: Ahmad al-Faqi al-Mahdi muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen der Zerstörung von Kulturgut verantworten - ein Kriegsverbrechen . Er ist der erste mutmaßliche Islamist vor dem Weltstrafgericht in Den Haag und der erste Angeklagte aus Mali.

Im 15. und 16. Jahrhundert war die Oasenstadt Timbuktu am südlichen Rand der Sahara ein intellektuelles Zentrum gewesen, von dem aus sich der Islam in Afrika verbreitete. Anfang 2012 kämpften sich bewaffnete Rebellen durch die Wüste Malis und übernahmen die Kontrolle über Timbuktu. Als die Islamisten der Milizen Ansar Dine und "Al Qaida im Islamischen Maghreb" an die Macht kamen, entschieden sie, die Stätten der alten islamischen Glaubensrichtung zu vernichten.

Al-Mahdi, ein Lehrer und Intellektueller aus der Region, stieß in dieser Zeit zu Ansar Dine. Er wurde zum Chef der örtlichen Moralpolizei ernannt und beriet die neuen Machthaber bei religiösen Fragen. Schließlich soll er in Den Haag auch einen Plan zur Zerstörung von Mausoleen und Moscheen mitentwickelt haben. Al-Mahdi organisierte Werkzeuge und schrieb eine Predigt, die beim Freitagsgebet vor den Angriffen verlesen wurde. Neun Mausoleen und das Tor zur großen Sidi Yahia-Moschee sollen al-Mahdi und die "Beamten" seiner Moralpolizei angegriffen haben. Neun Stätten davon gehörten zum Weltkulturerbe der Unesco. Jedes Mal war al-Mahdi dabei, wie es in der Anklageschrift des Strafgerichtshofs heißt. Bei fünf Gebäuden soll er eigenhändig geholfen haben.

Die Ankläger in Den Haag sehen darin ein schweres Verbrechen. "Es geht um mehr als nur um Wände und Steine", sagte Chefanklägerin Fatou Bensouda bei einer Sitzung im Frühjahr. Die Ankläger werten in der Vernichtung der Stätten einen Versuch der Islamisten , eine Zivilisation auszulöschen. "Solche Angriffe auf religiöse und historische Gebäude fallen in die Kategorie jener Verbrechen, die die Wurzeln eines Volkes zerstören", sagte Bensouda.

Al-Mahdi will sich möglicherweise schuldig bekennen. Er ist auf Videos zu sehen, die ihn bei der Zerstörung zeigen. Seine Verteidiger bestreiten nicht, dass er am Tatort war - erklärten stattdessen, al-Mahdi habe in der Überzeugung gehandelt, für eine reinere Auslegung des Islams zu kämpfen.

´Der Prozess in Den Haag hat hohen Symbolwert. Im Irak, in Syrien und in Libyen zerstört die Terrormiliz "Islamische Staat" (IS) bedeutende Kulturgüter.