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Ladenöffnung an Weihnachten
Streit um Einkauf an Heiligabend im Saarland

Shopping an Heiligabend - einem Sonntag? Die Meinungen gehen auseinander...
Shopping an Heiligabend - einem Sonntag? Die Meinungen gehen auseinander... FOTO: Inga Kjer / dpa
Saarbrücken . Weil Heiligabend ist, dürfen Supermärkte dieses Jahr  am 24. Dezember im Saarland sonntags öffnen. Nicht alle Ketten erklären den Verzicht – trotz heftiger Proteste. Stephanie Schwarz

Gewerkschaften und Kirchen laufen Sturm gegen offene Supermärkte am diesjährigen Heiligabend, der auf einen Sonntag fällt. Eine Sonderregelung im Ladenöffnungsgesetz des Saarlandes macht dies möglich: Danach können Lebensmittelgeschäfte frei entscheiden, ob sie ausnahmsweise an Sonntagen zwischen neun und 14 Uhr öffnen, wenn diese auch der Heiligabend sind.



 Wie viele saarländische Supermärkte die Sonderregelung nutzen, war gestern noch unklar. Die einzelnen Märkte müssen nicht im Voraus angeben, ob sie die Türen für Last-Minute-Shopper aufschließen, teilte das Ministerium von Saar-Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) gestern mit. Die Handelsketten Penny und Edeka haben bereits angekündigt, dass ihre selbstständigen Händler bundesweit darüber eigenständig entscheiden dürfen. Welche Filialen dies im Saarland genau betrifft, dazu gibt es noch keine Angaben.

Rewe, Globus und Aldi haben sich entschieden: Sie bleiben bundesweit dicht. „Für Aldi ist es eine Selbstverständlichkeit, den Mitarbeitern ein stressfreies Weihnachtsfest im Kreis ihrer Familien und Freunde zu ermöglichen“, sagt Peter Wübben, Geschäftsführer Kommunikation von Aldi Süd. Lidl hat bisher noch keine Angaben gemacht. Und bei Netto liegt diesbezüglich noch keine Entscheidung vor.

Die Gewerkschaft Verdi positioniert sich klar gegen die Öffnung an Heiligabend. Bundesweit ruft sie zu einem Boykott der Läden auf. Verdi fordert zudem ein Einschreiten der Politik, um den Schutz der Beschäftigten vor die wirtschaftlichen Interessen zu stellen. „Bestrebungen, den Konsumgedanken zu fördern und die Beschäftigten mit diesem Sonntag zu belasten, sind nicht hinnehmbar“, sagt der Pressesprecher von Saar-Verdi, Dennis Dacke. Auch die katholische Kirche stellt sich gegen die Ladenöffnung. „An Heiligabend sollte es nicht um Konsum und Shoppen gehen“, sagte Dominik Holl, Bischöflicher Pressesprecher in Saarbrücken der SZ. Denn sicher sei es möglich, die Einkäufe auch an den Tagen davor zu erledigen. Ähnlich äußerte sich auch der neu gewählte Generalsekretär der CDU Saar, Markus Uhl: Auch die Beschäftigten des Einzelhandels wollten ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest vorbereiten und feiern können, sagte er.

Vergleichbare Ausnahmeregelungen wie das Saarland haben neun weitere Bundesländer. In Rheinland-Pfalz und fünf anderen Ländern erübrigt sich die aktuelle Diskussion. Hier ist die Ladenöffnung sonntags auch dann verboten, wenn Heiligabend ist.



In den Grenzregionen Saargemünd, Forbach, Sankt Avold, Thionville, Metz und Luxemburg können Saarländer dagegen am 24. Dezember noch einkaufen. Die Läden in Frankreich dürfen an allen vier Adventssonntagen öffnen.