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Oskar Lafontaine: Grünen sind die "größten Kriegstreiber in Deutschland"

Erneute verbale Attacke : Oskar Lafontaine: Grüne sind "größte Kriegstreiber in Deutschland"

Seiner Ex-Partei Die Linke prophezeit er ein baldiges Ende, wenn sich da nichts verändert. Den Grünen wirft er vor, ihren Friedenswillen über Bord geworfen zu haben. Und auch die Bundesregierung kanzelt Oskar Lafontaine in einem Interview ab.

Zuletzt hatte sich der ehemalige Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, Außenministerin Annalena Baerbock (Grünen) vorgenommen und ihre Arbeit förmlich in der Luft zerrissen. Kein gutes Blatt ließ er an ihrem Tun und Geschick. Nur wenige Tage nach dieser verbalen Attacke legt der saarländische Ruhestandspolitiker erneut los.

In einem Interview mit der in Berlin erscheinenden linken Tageszeitung Junge Welt lässt er an fast keinem politischen Akteur in Deutschland ein gutes Haar, wie aus Zitaten des Politikers hervorgeht, die die Zeitung vorab veröffentlichte. So greift der 78-Jährige die Bundesregierung ebenso an wie die an ihr beteiligte Partei Die Grünen. Mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hingegen geht er weniger hart ins Gericht. Dafür bekommt seine letzte parteipolitische Heimat ihr Fett weg: Der Linken prophezeit der greise Saarländer einen baldigen Niedergang für immer, wenn sich da nicht bald was tut.

Lafontaines Schmähangriff im Detail:

  • Deutsche Außenpolitik und Nato: Hier gibt er beiden eine Mitschuld am Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Demnach seien über Jahrzehnte die Sicherheitsinteressen aus Moskau „konsequent ignoriert“ worden. So habe die russische Staatsführung seit 20 Jahren darauf hingewiesen, dass die Ukraine kein Mitglied des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses werden dürfe. Denn damit habe Russland eine direkte Nato-Außengrenze ohne Puffer. Lafontaine: „Entscheidend ist die Frage: Können an den Grenzen einer Atommacht Raketen aufgestellt werden, die keine Vorwarnzeit haben?“
  • Bundesregierung und Kanzler Olaf Scholz: Zwar habe der Regierungschef „auf ein Risiko eines sich auf Europa ausweitenden Krieges bis hin zu einem Nuklearschlag aufmerksam gemacht“. Allerdings nehme Deutschland seine Interessen nicht selbst in die Hand. Lafontaine, der auch einst SPD-Chef war, wirft in dem Gespräch der Regierung in Berlin vor, „sich in der Rolle des getreuen Vasallen der USA selbst großen Schaden“ zuzufügen.
  • Die Grünen: Ihnen wirft er vor, „zu den größten Kriegstreibern in Deutschland geworden“ zu sein. Der „einst stark pazifistische Flügel“ sei nicht mehr. Vielmehr unterstützten die Bündnisgrünen „jede US-Entscheidung, wenn es um Kriege geht“.
  • Die Linke: Sie vertrete nicht mehr die „wirklichen Interessen der Mehrheit der Bevölkerung“. Pessimistisch geht er an den Parteitag heran, der im Juni stattfinden soll. Lafontaine, der kurz vor der saarländischen Landtagswahl am 27. März die Linke verließ, sieht einen Kurs hin zu einer ähnlichen Politik wie bei SPD und den Grünen. „Wenn die Weichen [...] wirklich so gestellt werden, dann hat sich die Partei erledigt.

Das komplette Interview will die Tageszeitung Junge Welt in der Wochenendausgabe 21./22. Mai veröffentlichen.

Zum Blatt: Die Zeitung war seit Gründung in der DDR 1947 bis zur Wende 1990 das Zentralorgan der staatlichen Organisation Freie Deutsche Jugend (FDJ). Seitdem versteht sich Junge Welt als linke Zeitung mit stark marxistischer Ausprägung und Kapitalismus-Kritik. Der Bundesverfassungsschutz bezeichnet sie als linksextremistisch. Sie sah sich bereits dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. Aktuell liegt die tägliche Auflage bei 23 400 Exemplaren. Zu DDR-Zeiten war sie mit 1,6 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung noch vor dem SED-Zentralorgan Neues Deutschland.