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Notfallpläne für Akw
Belgische Grenzregion ist schlecht auf einen Nuklearunfall vorbereitet

Das belgische Atomkraftwerk Tihange. Die Katastrophenhilfe bei einem Nuklearunfall in der Grenzregion würde nicht gut funktionieren, warnt der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit.
Das belgische Atomkraftwerk Tihange. Die Katastrophenhilfe bei einem Nuklearunfall in der Grenzregion würde nicht gut funktionieren, warnt der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit. FOTO: dpa / Oliver Berg
Den Haag. Bei einem schweren Nuklearunfall im belgischen Atomkraftwerk Tihange würde die Katastrophenhilfe in der Grenzregion nach einer neuen Studie nicht gut funktionieren. Deutschland, Belgien und die Niederlande seien auf ein solches Reaktorunglück nicht ausreichend vorbereitet, warnte der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit in einem gestern in Den Haag vorgelegten Report. Die drei Länder müssten ihre Katastrophenpläne besser abstimmen und die Bürger klarer informieren.

Bei einem schweren Nuklearunfall im belgischen Atomkraftwerk Tihange würde die Katastrophenhilfe in der Grenzregion nach einer neuen Studie nicht gut funktionieren. Deutschland, Belgien und die Niederlande seien auf ein solches Reaktorunglück nicht ausreichend vorbereitet, warnte der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit in einem gestern in Den Haag vorgelegten Report. Die drei Länder müssten ihre Katastrophenpläne besser abstimmen und die Bürger klarer informieren.


Anlass der Studie war die große Unruhe über schwere Sicherheitsmängel bei den zwei belgischen Kernkraftwerken Tihange nahe Aachen und Doel bei Antwerpen. Deren Sicherheit ist wegen Tausender feiner Risse umstritten, außerdem kommt es immer wieder zu Pannen. In die Untersuchung wurden auch noch das niederländische AKW Borssele und das deutsche Kraftwerk Emsland einbezogen. Bei einem Nuklearunfall wären Zehntausende Menschen auch in den jeweils angrenzenden Ländern betroffen.

„Das internationale System von Kontrolle und Aufsicht funktioniert sehr gut“, sagte der Vorsitzende des Untersuchungsrates, Tjibbe Joustra. Doch beim Schutz der Bürger ginge einiges schief: „Der Untersuchungsrat stellt fest, dass die Zusammenarbeit auf Papier zum Teil geregelt ist, aber wahrscheinlich nicht gut verlaufen wird, wenn tatsächlich ein Nuklearunglück geschieht.“



So ergreifen etwa alle drei Länder unterschiedliche Maßnahmen, um Bürger vor Strahlungen zu schützen. Und so könnte es passieren, dass Deutschland ein weitaus größeres Gebiet evakuiert als Belgien, oder dass ein Land mehr Jod-Pillen verteilt als das andere. „Um Panik und Unruhe zu verhindern, müssen Bürger klar und eindeutig informiert werden“, forderte der Vorsitzende Joustra. Und es gibt demnach kaum gemeinsame Übungen.

Die Katastrophenschutzpläne müssten angepasst werden, fordert auch der Chef der Aachener Städteregion, Helmut Etschenberg. Bei einem atomaren Unfall in Belgien würden sich viele Menschen aus Belgien nach Osten, also weg vom Kernkraftwerk, in Sicherheit bringen. „Die Kurzschlussreaktion bei vielen Menschen ist ja: Ins Auto setzen und losfahren. Die kommen ja bei uns an. Und das ist bisher in den Katastrophenschutzplänen nicht berücksichtigt.“

Das Bundesumweltministerium kündigte gestern an, die Studie auf mögliche Verbesserungen beim Notfallschutz zu prüfen. Das Ministerium dränge seit Jahren darauf, die Planungen in Europa besser anzugleichen.