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Drei Minuten bis zur Freiheit

Phoenix. Jeden Tag erinnerte eine Fußfessel die gebürtige Berlinerin Debra Milke daran, dass der juristische Kampf um ihre Freiheit noch läuft. Nun wird der Prozess eingestellt. Es ist das Ende eines jahrelangen Dramas. dpa-MitarbeiterJohannes Schmitt-Tegge

Am Ende ging alles ganz schnell. Kaum hatte Debra Milke zwischen ihren Verteidigern im Gerichtssaal Platz genommen, setzte die Richterin an: Das Oberste Gericht im US-Staat Arizona habe es abgelehnt, das Verfahren um die ehemals zum Tode verurteilte Berlinerin nochmals vor Gericht zu bringen. Der Prozess werde nun eingestellt. Der Weg in die endgültige Freiheit für die 51-Jährige war nur noch eine Sache von drei Minuten.

So unspektakulär der letzte Gerichtstermin im Fall Milke auch wirkte: Für die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners endet ein qualvoller Weg durch das amerikanische Justizsystem. Mehr als zwei Jahrzehnte saß sie wegen der Ermordung ihres vierjährigen Sohnes im Todestrakt von Perryville und wartete auf ihre Exekution. Sogar das Hinrichtungs-Prozedere musste sie schon einmal probeweise durchspielen.

Doch der Fall ließ Fragen offen: Die beiden Täter, die den kleinen Christopher in der Wüste mit drei Schüssen in den Hinterkopf getötet hatten, gestanden die Tat und wurden zum Tode verurteilt. Wann sie hingerichtet werden, steht noch nicht fest. Die Beweise, dass Milke sie zum Mord angestiftet habe, waren dürftig. Letztlich reichte die Aussage eines Polizisten, der Milkes angebliches Geständnis weder mit einer Tonaufnahme noch mit einem Protokoll belegen konnte.

Und so kämpften sich Milkes Anwälte durch die Instanzen, bis sie 2013 gegen eine Kaution von 235 000 Dollar auf freien Fuß kam. Doch wie lässt es sich leben, wenn eine elektronische Fessel, ein Alkoholverbot und eine nächtliche Ausgangssperre daran erinnern, dass der vor vielen Jahren begonnene Prozess immer noch in der Schwebe ist? Und dass die Staatsanwaltschaft immer noch versucht, das Verfahren trotz dürftiger Beweislage neu aufzurollen? Sie wollte echte Freiheit.

Dass es am Montag dann tatsächlich soweit war, wirkte nach dem jahrelangen Gezerre fast ein wenig surreal. Die in blau-schwarzer Bluse gekleidete Milke nickte ausdruckslos, als sie den Worten von Richterin Rosa Mroz lauschte, wie in einer TV-Übertragung zu sehen war. Zunächst zeigte sie kaum eine Reaktion, eine Verteidigerin klopfte ihr auf die Schulter. Ein Bewährungshelfer wurde angewiesen, ihre Fußfessel abzunehmen - und dann trat Milke 24 Jahre nach ihrer Verurteilung als freier Mensch aus dem Gerichtsgebäude.