St. Ingbert: Der Verwalter von Internetadressen

St. Ingbert : Der Verwalter von Internetadressen

Das St. Ingberter Unternehmen Key Systems registriert Internetadressen. Es wächst inzwischen auch international.

Wer im Internet eine Seite betreibt, braucht zuerst einmal eines: eine eindeutige Adresse. Denn nur mit dieser eindeutigen Zuordnung können die Seiten in der virtuellen Welt auch gefunden werden. Und auch in der virtuellen Welt gibt es so etwas wie Einwohnermeldeämter, bei denen die Bewohner mit ihren Adressen registriert werden, sogenannte Registrys. Bei ihnen werden dann Internet-Adressen mit Länder-Endungen wie adresse.de oder Sonderadressen wie adresse.fun registriert. „Manchmal sind das staatliche Stellen, manchmal sind sie auch privatwirtschaftlich organisiert“, sagt Alexander Siffrin.

Ganz so wie im täglichen Leben funktioniert es aber dann doch nicht, denn die Betreiber einer Internet-Seite können nicht einfach zu einem dieser Einwohnermeldeämter gehen und sich eintragen lassen. Sondern sie beauftragen dafür Unternehmen wie Siffrins St. Ingberter Firma Key-Systems. Das Unternehmen ist ein sogenannter Domain-Registrar, ist also dafür zuständig, Internet-Adressen zu registrieren.

Geschäftsführer Siffrin gehört zu den Pionieren des Internet. Seit seiner Jugend beschäftigt er sich mit Computern. Vor über 20 Jahren hat der heute 42-Jährige dann während seines Informatik-Studiums das Unternehmen gegründet. „Genau genommen war es damals ein Projekt in den Semesterferien“, erzählt Siffrin. 1998 war die Vergabe von Domain-Namen liberalisiert worden, stand also nicht mehr unter staatlicher Aufsicht. Und der junge Student sah damals die Chance, im noch jungen Markt der Domain-Registrierungen Fuß zu fassen.

Was als Semester-Projekt begann, ist heute ein Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 40 Millionen Euro. „Es lief damals so gut, dass ich mein Studium nicht mehr beendet habe“, sagt Siffrin.

Der Aufwand für die Registrierung einer Internet-Adresse reicht von „geht vollautomatisch“ bis hin zu „kann nur manuell erfolgen“, erklärt Siffrin. Während beispielsweise Adressen mit der Endung .de oder .com komplett von den Key-Systems-Computern verwaltet werden, ist das beispielsweise in exotischeren Ländern wie Kambodscha nicht möglich.

Aktuell verwaltet das St. Ingberter Unternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als vier Millionen Internet-Adressen für über 100 000 Kunden. Dabei sei die Firma auch für zahlreiche Großkunden tätig, die in mehreren Ländern aktiv sind. „Da sind wir dann eine Art Real Estate Manager im Internet“, sagt Siffrin. Will beispielsweise ein großer Markenartikler eine Internet-Adresse buchen, dann soll diese auch gleich für mehrere Länder gelten. So wird beispielsweise ein Unternehmen wie Daimler nicht wollen, dass beispielsweise unter Daimler.gl ein regionaler Händler in Grönland seine Waren anpreist. „Wir prüfen dann, ob die Adressen frei sind oder ob die Domain gegebenenfalls vom Besitzer zum Kauf angeboten wird.“

Doch die Registrierung der Internet-Adressen ist längst nur noch eines der Geschäftsfelder der saarländischen Firma. Sie bietet unter anderem auch ein Rechenzentrum, in dem Kunden ihre eigenen Server unterbringen oder sich Server-Platz mieten können. Und ist auch als virtueller Wachdienst tätigt. „Wir arbeiten in gewisser Weise als Sicherheits-Anbieter für die Domains, wollen sozusagen ein Fort-Knox für Domain-Namen sein.“ Kontinuierlich prüft das Unternehmen dann, ob Adressen für betrügerische Aktivitäten missbraucht werden.

Bei den rund 100 Mitarbeitern machen vor allem Entwickler und Support den Löwenanteil aus. „Entwickler brauchen wir ständig. Wir würden sogar welche einstellen, wenn keine Stellen frei sind.“ Das Unternehmen sei seit Jahren nur am Wachsen. Auch jetzt platzt das Bürogebäude im St. Ingberter Industriegebiet Drahtwerk-Nord aus allen Nähten. „Wir haben aber die Option, noch ein Stockwerk aufzustocken“, sagt Siffrin.

Key-Systems wächst aber nicht nur im Saarland. Seit Jahren expandiert die Firmengruppe auch international. Der letzte große Zusammenschluss war im August mit der börsennotierten britischen Centralnic Group. „Wir ergänzen uns perfekt. Denn Centralic ist in Märkten unterwegs, in denen wir aktiv noch nicht vertreten sind.“ So sei Centralnic unter anderem auch in Australien vertreten und damit in einer anderen Zeitzone. „Dadurch ist erweiterter Support möglich.“ Und das tatsächlich auch auf Deutsch, wenn gewünscht. Denn der Firmensitz in Napier in Neuseeland sei auch bei Aussteigern sehr beliebt gewesen, so dass dort Menschen unterschiedlicher Sprachen leben.

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