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Verhütung mit der Pille bleibt Frauensache

Verhütung mit der Pille bleibt Frauensache

Münster. Verhütung ist immer noch Frauensache - zumindest wenn es um die Pille geht. Seit 50 Jahren können Frauen sich mit der Einnahme von Hormonen vor ungewollten Schwangerschaften schützen. Der Erfinder der Anti-Baby-Pille, Carl Djerassi, beklagt, dass ein ähnliches Präparat für den Mann noch immer nicht auf dem Markt ist und glaubt nicht mehr an die "Pille für den Mann"

Münster. Verhütung ist immer noch Frauensache - zumindest wenn es um die Pille geht. Seit 50 Jahren können Frauen sich mit der Einnahme von Hormonen vor ungewollten Schwangerschaften schützen. Der Erfinder der Anti-Baby-Pille, Carl Djerassi, beklagt, dass ein ähnliches Präparat für den Mann noch immer nicht auf dem Markt ist und glaubt nicht mehr an die "Pille für den Mann". Vor drei Jahren stieg der große Pharma-Konzern Bayer-Schering aus der Forschung aus. "Wir hatten große Zweifel, dass Männer die Kombination von Implantat und regelmäßigen Spritzen akzeptieren würden", sagt Dr. Maureen Cronin, die Chefin des Bereichs Frauengesundheit.Das heißt aber nicht, dass die Forschung dafür völlig eingeschlafen ist. Die "Pille für den Mann" ist eigentlich eine Spritze. Und an ihr wird immer noch gearbeitet - auch ohne Unterstützung aus der Industrie. Die Weltgesundheitsorganisation WHO macht derzeit eine weltweite Studie an rund 500 Paaren. Bei dem männlichen Gegenstück zur Pille wird alle acht Wochen ein Testosteron-Mittel gespritzt, das das Hormon zur Spermienproduktion unterdrückt. Und genau hier sieht der Mainzer Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Norbert Paul, einen entscheidenden Punkt: "Die Hormonforschung für den Mann ist historisch auf Virilität und Potenz ausgerichtet gewesen. Mit der 'Pille für den Mann' soll aber seine Zeugungsfähigkeit eingeschränkt werden - das ist im Sinne der kulturellen Wahrnehmung des Mannes eine ganz neue Richtung." dpa