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Hoeneß entfacht neue Debatte um Steuersünder

Hoeneß entfacht neue Debatte um Steuersünder

Die Selbstanzeige von Bayern-Boss Uli Hoeneß wird zum Wahlkampfthema. Die SPD wirft Kanzlerin Merkel vor, Steuerbetrug vertuschen zu wollen. Merkel zeigt sich von Hoeneß enttäuscht.

Die Selbstanzeige von Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerbetrugs schlägt in der Politik immer höhere Wellen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) distanzierte sich gestern von dem Fußball-Manager. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen."

SPD und Grüne warfen Merkels Koalition derweil den Schutz von Steuerbetrügern vor. "Der Fall Hoeneß ist in Wahrheit ein Fall Merkel und Schäuble, denn es geht nicht um den Einzelfall, sondern um das System, das dahinter steht", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der "Berliner Zeitung". Der Fall beweise, wie richtig es gewesen sei, dass SPD und Grüne das Schweizer Steuerabkommen verhinderten. "Angela Merkel und Wolfgang Schäuble wollten damit millionenschweren Steuerbetrug vertuschen." Das Abkommen sah vor, auf Alt-Kapital deutscher Bankkunden in der Schweiz anonym eine Pauschalsteuer zwischen 21 und 41 Prozent zu erheben. Es wäre so legalisiert worden. Allein aus der Nachversteuerung auf Alt-Substanz waren Einnahmen von 10 Milliarden Euro für den Staat erwartet worden. Das Finanzministerium verteidigte das Abkommen. "Es wäre gelungen, nicht nur die Einzelfische zu fangen, sondern den ganzen Schwarm im Netz zu haben", sagte ein Sprecher. Angesichts des höheren Entdeckungsrisikos legen immer mehr Steuerbetrüger die Karten auf den Tisch. Das Saarland hat seit 2008 44,4 Millionen Euro zusätzliche Steuern durch Selbstanzeigen eingenommen. Finanzminister Stephan Toscani (CDU) sagte der SZ, jedem Steuerhinterzieher müsse klar sein, dass die Gefahr, entdeckt zu werden, stark zugenommen habe. "Ich kann jedem nur zur Selbstanzeige raten, bevor es zu spät ist."

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Er hatte im Januar Selbstanzeige wegen nicht entrichteter Steuern auf ein Millionenkonto in der Schweiz erstattet. Ob ihn dies vor Anklage und Haft schützt, ist offen. > e und Interview