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"Familienfoto" vor der Ludwigskirche

"Familienfoto" vor der Ludwigskirche

Die Ludwigskirche als Saarbrücker Wahrzeichen ist ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern der Landeshauptstadt

Die Ludwigskirche als Saarbrücker Wahrzeichen ist ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern der Landeshauptstadt. So auch am Tag der Deutschen Einheit: Acht Fernsehkameras und ein Dutzend Fotografen lichten Bundespräsident Horst Köhler mit Frau, Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier und Bundesratspräsident Peter Müller mit Frau als Gastgeber vor dem barocken Kirchenhaus ab. Eine aufgeregte Dame vom Bundespresseamt hatte zuvor dafür gesorgt, dass der Ludwigsplatz für dieses "Familienfoto" geräumt wurde.

In der voll besetzten Ludwigskirche beginnt Minuten später der ökumenische Gottesdienst. Merkel, im schwarzen Hosenanzug, sitzt in der ersten Reihe neben dem Vertreter des Vatikans in Deutschland, Nuntius Jean-Claude Pérrisset. In der Nachbarbank: Köhler mit Frau und Lammert. Sie beobachten, wie Cornell Wegmann und Bernd Dahlmanns mit Bassklarinette und Gitarre neben einem Stück der Berliner Mauer aufspielen. Das Betonteil ist direkt am Altar platziert. Der Gottesdienst steht unter der Überschrift: "Ohne Mauern leben - 20 Jahre später." Evangelische und katholische Kirche würdigen den Mauerfall als Symbol für die Macht von Gewaltlosigkeit. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann zelebriert die Feier mit seinem Speyrer Amtsbruder Karl-Heinz Wiesemann sowie Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, und dem pfälzischen Kirchenpräsidenten Christian Schad. Ackermann predigt von der Kanzel der Ludwigskirche: "Der Mut, die Beharrlichkeit und die Friedfertigkeit vieler haben dazu beigetragen", dass vor 20 Jahren mit dem Mauerfall ein Traum in Erfüllung gegangen sei. Kirchengemeinde und Politprominenz danken mit Fürbitten dafür, "dass keine Mauer und keine Minengürtel unser Land zerteilen". Und sie bitten, dass Entscheider "in der Politik und in den Medien, in Wirtschaft und Gesellschaft" sich nicht "von den Möglichkeiten ihrer Macht verführen lassen".

Beim Festakt zum Nationalfeiertag in der Congresshalle ist es Bundeskanzlerin Merkel, die vor 1200 Gästen an die Nation appelliert, sich im Krisenjahr 2009 das Geschehen von 1989 zum Vorbild zu nehmen. Die Deutsche Einheit sei das Ergebnis von Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage. Die Wirtschaftskrise sei vielleicht die erste große gemeinsame Herausforderung für Ost- und Westdeutsche.

Saar-Regierungschef Müller erinnerte zuvor an die überwundene DDR-Diktatur. Der Prozess der Wiedervereinigung sei aber noch nicht abgeschlossen. Die Angleichung der Lebensverhältnisse komme voran: "Es gibt blühende Landschaften - wenn auch nicht überall." Müller, der die Rolle Deutschlands in Europa hervorhob, bilanzierte 20 Jahre nach dem Mauerfall: "Auch die Mauern in den Köpfen konnten zunehmend eingerissen werden."

Auf der Bühne wurde die Mauer wieder eingerissen - von Tänzern des Staatstheaters. Das Ballett "43.1" von Marguerite Donlon zeigte zum Kyrie aus Mozarts Requiem und der Jupiter-Sinfonie Bau und Trennung sowie Öffnung und Räumung der 43,1 Kilometer langen Berliner Mauer.

Am Rande

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Unter den illustren Gästen beim Staatsakt tummelte sich jemand, den man hier nicht unbedingt erwartet hätte: Dieter Holzer, im Prozess zur Leuna-Affäre zu 15 Monaten Haft verurteilt. Wie Holzer, der in Neunkirchen im offenen Vollzug sitzt, auf die Gästeliste kam, ist nicht bekannt.