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Erd-Überlastung: Deutschland braucht drei Erden

Erd-Überlastung : Deutschland braucht drei Erden

Von heute an überzieht Deutschland laut Umweltexperten für dieses Jahr sein ökologisches Konto und lebt auf Kosten künftiger Generationen.

Wer jeden Monat sein Konto überzieht, ist schnell pleite. Heute hat Deutschland seinen ökologischen Kredit aufgebraucht. Jetzt leben die 82 Millionen Bundesbürger quasi auf Pump. Denn nun hat Deutschland nach Berechnungen von Wissenschaftlern des Global Footprint Network, einer Forschungsgruppe mit Sitz im kalifornischen Oakland, seinen Anteil an den nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr verbraucht.

Damit ist der deutsche „Erd-Überlastungstag“ ein wenig nach hinten gerutscht. In den vergangenen drei Jahren lag er immer Ende April. Dass er 2018 in den Mai gerutscht ist, ist aber nach Darstellung der Verantwortlichen kein Anzeichen für eine Trendumkehr. Die leichte Verbesserung beruhe vor allem auf Schwankungen bei den CO2-Emissionen. Diese waren beispielsweise wegen eines milden Winters in dem für die Berechnungen maßgeblichen Jahr 2014 leicht gesunken. Nach derzeitigen Prognosen wird der Tag in den kommenden Jahren wieder früher im Jahr liegen.

Die Bundesbürger leben ab dem 2. Mai auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im globalen Süden, mahnte Germanwatch-Expertin Julia Otten. „Es ist bisher keine Trendwende bei unserem viel zu großen Ressourcenverbrauch in Sicht.“ Um seine ökologische Buchhaltung in Ordnung zu bringen, bräuchte Deutschland nach Angaben der Experten drei Erden. Der ökologische Fußabdruck der Bundesbürger liege im oberen Viertel aller Länder. Zum Vergleich: Die USA bräuchten fünf, China 2,2, Frankreich 2,8 und Großbritannien 2,9 Erden.

Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte 1,7 Erden, um den globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland und Wäldern nachhaltig zu decken. Der weltweite „Erd-Überlastungstag“ wird im August erwartet. Er ist in den zurückliegenden Jahrzehnten immer weiter nach vorn gerückt: 1987 war das Ökokonto nur leicht überzogen: Damals lag der Earth Overshoot Day „erst“ am 19. Dezember. Vor zehn Jahren war es der 16. August, 2017 der 2. August.

Die Menschheit lebt von der Substanz. Die Weltbevölkerung wächst und verbraucht mehr Holz, Pflanzen, Futtermittel, Fisch und Nahrungsmittel, als in Fischgründen, in Wäldern sowie auf Weide- und Ackerflächen jährlich erzeugt werden können. In Deutschland tragen nach Angaben der Umweltschützer vor allem die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft sowie der große Flächenbedarf – insbesondere für den Anbau von Futtermitteln für die Fleischproduktion – zur Überlastung der Erde bei.

Auch die versiegelte Fläche in Deutschland wächst. Von 1992 bis 2015 nahm sie den Angaben zufolge um mehr als 20 Prozent zu. Sie verursache Konflikte mit anderen Flächennutzungsansprüchen, etwa für die Landwirtschaft und den Bedarf an Waldflächen, schade den Böden und begünstige Hochwasser. Germanwatch und die Umweltorganisation Inkota appellierten an die Bundesregierung, bessere Bedingungen für ein ressourcenschonendes Wirtschaften zu schaffen. „Sie muss die Energiewende und den Kohleausstieg genauso vorantreiben wie einen Wandel im Bereich Verkehr und Mobilität“, sagte Otten.

Auch in der Landwirtschaft sei ein Wandel notwendig. „Agrarökologische Anbaumethoden, die ohne Pestizide und chemische Düngemittel auskommen, müssen dringend stärker gefördert werden“, so die Umweltorganisationen. Zugleich müsse Schluss sein mit einer industriellen Massentierhaltung, für die „in Südamerika Futtermittel angebaut werden und deren Abfallprodukte wie Gülle das Grundwasser und Böden verunreinigen“.