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Auf dem Land machen immer mehr Läden dicht

Auf dem Land machen immer mehr Läden dicht

Auf dem Land herrscht nicht nur großer Ärztemangel. Immer mehr Menschen in ländlichen Räumen haben auch Schwierigkeiten, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Gerade dann, wenn sie älter sind oder kein Auto besitzen. Das geht aus einer Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

So ist in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Einzelhandelsläden auf dem Land rapide gesunken. Außerdem sind die verbliebenen Geschäfte kaum mehr fußläufig zu erreichen.
In vielen Dörfern und ländlichen Regionen sind nicht nur Schulwege lang, Arztpraxen und Schwimmbäder dicht. Auch Einkaufsmärkte, Bäcker, Metzger und Tante-Emma-Läden sind bedroht oder längst verschwunden. 1966 gab es noch rund 150.000 Geschäfte zur Nahversorgung auf dem Land, im Jahr 2013 waren es nur noch 38.600. Das sei ein Rückgang um 75 Prozent, beklagt das zuständige Ressort in der Antwort.

Viele Filialisten hätten ihre Supermärkte inzwischen in Gewerbegebieten oder am Ortsrand angesiedelt, so dass 25 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gemeinden schon nicht mehr die Möglichkeit habe, zu Fuß einzukaufen. In vielen kleineren Kreisen belaufe sich der Anteil sogar auf Zweidrittel der Einwohner. Als fußläufig erreichbar gelten laut Ministerium Supermärkte, die weniger als ein Kilometer entfernt oder in zehn Gehminuten erreichbar sind. Wer also älter ist oder nicht mehr so mobil, hat ein Problem.

Allerdings weist die Regierung daraufhin, dass es auf dem Land zugleich einen "sehr hohen Motorisierungsrad" gebe. 75 Prozent der Einkaufswege würden inzwischen mit dem Pkw zurückgelegt, weshalb sich laut Umfragen die Unzufriedenheit mit der Versorgungsdichte in Grenzen hält. Viele Menschen hätten sich zudem dem "Ausdünnungsprozess" angepasst. So sorge eine ausgeprägte Familien- und Nachbarschaftshilfe dafür, "dass auch weniger mobile Personen weiter entfernte Versorgungsmöglichkeiten nutzen können". Außerdem gebe es in "einem Teil" der betroffenen Gebiete mobile Händler. Der Online-Handel spiele hingegen ein "untergeordnete Rolle", so das Ministerium.

Insgesamt leben rund 44 Millionen Menschen auf dem Land. Demografischer Wandel und Bevölkerungsabnahme betreffen zwar ganz Deutschland, machen sich aber vor allem in wenig besiedelten ländlichen Regionen bemerkbar. Die Zahl Hochbetagter werde weiter steigen, so der Grünen-Experte Markus Tressel. Diese Menschen könnten sich "auch aufgrund mangelnder Mobilitätsangebote auf dem Land immer schlechter selbstständig versorgen". Die Grünen fordern deshalb jetzt von der Bundesregierung ein Nahversorgungskonzept und eine spezielle Förderpolitik. "Das würde uns einen großen Schritt voran bringen", so Tressel.