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Musikfestspiele Saar
Georgelter HipHop in der Saarbrücker Basilika

Saarbrücken. Der Lütticher Organist Serge Schoonbrodt ist im Rahmen der Musikfestspiele Saar mit seiner Tanzgruppe „HipOrgue“ aufgetreten. Die Saarbrücker Basilika machte er am Sonntag zu einem multikulturellen Begegnungsort. Von David Lemm

„Classic for Neophytes“, lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Saar. Mit den „Neophytes“ sind die Neueinsteiger in die Klassische Musik gemeint, erklärte Eva Karolina Behr vom Festivalteam in ihrer Eröffnungsrede am Sonntag in der Saarbrücker Basilika. Darum habe man sich für dieses „ganz besondere Projekt“ entschieden, um zu schauen und zu hören, wie sich die vermeintliche Ambivalenz aus klassischer Orgelmusik à la Bach und Mozart und getanzten HipHop-Choreographien in einer Symbiose ganz eigener Couleur auflöst. Schirmherrin Josephine Ortlieb (SPD) stellte in ihrer Rede die politische Dimension des „schwarzen“ HipHop heraus, „auch ein Grund für mein politisches Engagement. Die krassen Gegensätze aufbrechen und der Intoleranz entgegentreten“, das sei das Gebot der Stunde – dafür gab es Szenenapplaus, bevor der vielfach ausgezeichnete belgische Organist und Sänger Serge Schoonbrodt auf Deutsch sein Projekt „HipOrgue“ und die vierköpfige, multiethnische Tanzgruppe den zahlreichen Besuchern vorstellt.


Entstanden als Projekt des Lütticher Jugendhauses tourt die Truppe im Sinne einer „Belebung von Räumen“ nun durch Gotteshäuser und Philharmonien in ganz Europa. Denn „Begegnungen machen Menschen“, sagt der lässig gekleidete Organist mit den tätowierten Unterarmen. Und diese Begegnung beginnt mit einer Bach-Fuge, die von der farbigen Tänzerin Wilhelmina Sempa mit ausdrucksstarken, fließenden Armbewegungen vor dem Chorraum umgesetzt wird und sie schließlich in den Hauptgang, auf Tuchfühlung mit dem erstaunten Publikum treibt, wofür sie viel Applaus bekommt. Bei der vom italienischstämmige Tänzer Neo Amato dargebotenen Performance auf der Chorschranke stellt sich nicht von ungefähr die Erinnerung an die „Pressure to Perform“-Altar-Liegestütz-Einlage von Alex Karle ein – dieses Mal jedoch ohne Geldstrafe.

„Jetzt seid ihr dran. Wenn keiner geht, muss ich auswählen“, verkündet Schoonbrodt danach von der Orgel. Tatsächlich finden sich „Freiwillige“ aller Altersklassen zum Mittanzen, während eine erzürnte Besucherin mit den Worten „Das ist in der Turnhalle besser!“ die Kirche verlässt. Den von ihr reklamierte „Missbrauch der Basilika“ sieht ihre Enkelin ganz gelassen, weil so viel „Positivität“ im Raum mitgeschwungen habe. Auch andere Besucher goutieren die Darbietung, die durch eine Live-Malerei von Barbara Veldung dokumentiert wird. Und selbst Schoonbrodt sieht die Kritik gelassen, denn schließlich sei es mit dem jubelnden „Schreien am Ende“ wie immer gelaufen, kommentiert er augenzwinkernd – bevor er sich aufs Motorrad schwingt, Richtung Lüttich.



Nächstes Konzert: Freitag, 20 Uhr, Congresshalle: „Wenn Vöglein klagen“ mit der Deutschen Radio Philharmonie.
Infos:  www.musikfestspielesaar.de