| 20:22 Uhr

Raubkunst
5. Studiokonzert der DRP: Mitten ins finnische Herz

Saarbrücken. So direkt die Verzweiflung eines schwermütigen Tschaikowskys gleich zu Beginn seiner 4. Sinfonie als schicksalhaftes Motiv auch Einzug hält – so besitzt sie doch keine weltverachtende oder nach außen hin zerstörerische Dynamik. Viel eher zeichnet diese an Gemütsqualen reiche Musik ein überaus moralisches Bild ihres Schöpfers: Trage die härtesten Lebenskämpfe mit dir selbst und nicht mit anderen Menschen aus, werde Hoffnung für dein Umfeld. Mit einer ähnlichen Maxime durchwob der Russe spürbar sein gewaltiges Wechselbad der Gefühle.

So direkt die Verzweiflung eines schwermütigen Tschaikowskys gleich zu Beginn seiner 4. Sinfonie als schicksalhaftes Motiv auch Einzug hält – so besitzt sie doch keine weltverachtende oder nach außen hin zerstörerische Dynamik. Viel eher zeichnet diese an Gemütsqualen reiche Musik ein überaus moralisches Bild ihres Schöpfers: Trage die härtesten Lebenskämpfe mit dir selbst und nicht mit anderen Menschen aus, werde Hoffnung für dein Umfeld. Mit einer ähnlichen Maxime durchwob der Russe spürbar sein gewaltiges Wechselbad der Gefühle.


Chefdirigent Pietari Inkinen legte am Freitagabend die erhebende Mischung aus Gelassenheit und Eleganz an den Tag und führte die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) in ihrem 5. Studiokonzert zu gestalterischer Selbstverständlichkeit auf Augenhöhe. Die Binnenspannung war von Anfang an hoch, erhielt sich in Passagen schuldlahmer Eigenbeschwichtigung, wie etwa die „Moderati assai“ des ersten Satzes sie bilden, und verdringlichte ohne unnötigen Kraftaufwand die immer wieder intervenierenden, fast zwanghaft repetitiven Elemente ebenso wie jene so weithin gellenden Schreie nach Tröstung – unerbittlich klar und aufrecht selbst diese noch.

Der letzte Satz gewann den schlüssigen Charakter eines Triumphzuges weinender Nationalhelden, es bleibt die „Birke auf dem Felde“, ein Volkslied nur – und durchfühltes Schicksal. Heimatbezug hatte zuvor bereits Douglas Lilburns „Aotearoa“, ein weihevolles Porträt der Naturgewalten Neuseelands und dennoch zärtlich im Grundton. Jean Sibelius’ Violinkonzert d-Moll erregt Hörer wohl wegen seines ungebärdigen Ausdrucks, der nordische Schroffheit und Sehnen in sich vereint. Solist Barnabás Kelemen stand zu jeder Zeit über den Dingen, die Skalen glitzerten vor Reinheit, die hauchige Tiefe im Ton griff auch dem „Adagio di molto“ mitten ins finnische Herz. Als Zugabe brachte der ungarische Ausnahmegeiger eine Bach’sche „Gigue“ zur Vervollkommnung.