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Die kleine Hexe
„Hex, hex“ - früher und heute

FOTO: Robby Lorenz / SZ

Manche Fragen sind schwer zu beantworten. Die nach dem Lieblingskinderbuch zum Beispiel. Wenn ich mich in meinem nahezu gedächtnislosen Gehirn aufmache, nach dem zu fahnden, was da zum Thema Kinderbücher abgelegt ist, stoße ich zunächst auf „Drei Männer im Schnee“. Stimmt, kein Kinderbuch. Aber ich weiß genau, meine Mutter hat mir das vorgelesen. Ich glaube, ihr hatte es einfach gut gefallen. Und in Erziehungsfragen neigte sie zum Unkonventionellen. Dann gab es da in Schreibschrift ein Buch über einen Affen, im Dschungel, irgendwas mit Flugzeugabsturz. Leider ist der Titel völlig weg. Wann die Kleine Hexe von Otfried Preußler meinen Weg gekreuzt hat, weiß ich nicht mehr genau. Aber sie und viele andere Kinderbücher haben sich aus einem anderen Grund tief eingegraben. Denn ich habe sie auch meinen Kindern vorgelesen. Gerade von der Arbeit heimgekommen, ziemlich müde, im Bett. Ich weiß genau, wie sich das anfühlte, wenn die Buchstaben vor Augen mehr und mehr verschwammen, die Zunge so elend schwer wurde. Und dann gab es richtig harte Stöße in die Rippen. Von rechts und von links. Weiterlesen, nicht einschlafen, riefen die kleinen Hexer und Hexen. Wer wollte das vergessen?